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Regional Flautando Köln auf dem Rittergut Besenhausen
Nachrichten Kultur Regional Flautando Köln auf dem Rittergut Besenhausen
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11:51 16.09.2018
Flautando Köln mit Kerstin de Witt, Susanna Borsch, Ursula Thelen und Susanne Hochscheid (von links). Quelle: Schäfer
Niedergandern

Über Blockflöten werden Witze gemacht, nur weil sie so gut für musikalische Früherziehung geeignet sind – doch sind sie einmal den Kinderhänden entwachsen, hört sich das schon ganz anders an. Seit 28 Jahren verzaubert das Quartett Flautando Köln sein Publikum mit diesen Instrumenten, deren klangliche „Süßigkeit“ im Barockzeitalter gerühmt wurde. Flautando geht allerdings stilistisch weit darüber hinaus und spannt den Bogen vom Mittelalter über Renaissance, Barock und Klassik bis zur Gegenwart und bezieht auch inner- und außereuropäische Folklore ein.

Brechend voll besetzt war der Saal bei diesem Konzert in der Reihe „Kultur im Kreis 2018“ des Landkreises Göttingen, das vom Verein Göttinger Märchenland veranstaltet wurde. Mit alten englischen Stücken von John Playford aus dem 17. Jahrhundert eröffneten die vier Musikerinnen – Susanna Borsch, Susanne Hochscheid, Ursula Thelen und Kerstin de Witt – ihr buntes, unterhaltsames und stilistisch vielseitiges Programm, dem sie den Titel „Kaleidoskop“ gegeben hatten.

40 verschiedene Instrumente

Ebenso bunt wie die Musik war auch das Instrumentarium. Rund 40 Flöten verschiedener Stimmungen und Bauarten wurden eingesetzt. Vergleichsweise ernste Stücke wie eine (instrumental arrangierte) Psalmvertonung von Palestrina und ein hochvirtuoses Concerto von Telemann bildeten im Programm eher die Ausnahme.

Ein paar kleine Einwände seien dennoch gestattet. So wirken türkische Volkslieder in einem mitteleuropäischen Dur-Moll-Arrangement irgendwie wie falsch gekleidet, und das Französisch von Ursula Thelen – sie spielt nicht nur Flöte, sondern singt auch Sopran – in Kurt Weills Chanson „Youkali“ war kaum zu verstehen. Doch gibt es viel, viel Gutes zu berichten: etwa die spritzige, ausdrucksstarke Blockflöten-Bearbeitung von Mozarts Klaviervariationen über das Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“, die – pardon, Amadeus – noch wirkungsvoller ist als das Original.

Auf Blockflöten geblasene Schnarch-Einlage

Und was die vier Musikerinnen an Virtuosität und perfektem Zusammenspiel auch in unsymmetrischen Fünfer- und Siebenertakten vorführten, war ganz erstaunlich. Gern setzten sie mit perkussivem Ansatz feine rhythmische Akzente. Die im Jahr 2000 von Fulvio Caldini komponierte „Clockwork Toccata“, ein schönes Beispiel für Minimal Music, sie klang tatsächlich wie ein echtes Uhrwerk.

Abgeschlossen wurde der Abend mit englischer und irischer Folklore in teilweise rasenden Tempi, die selbst im gemeinsamen Accelerando (einer Beschleunigung) nie aus dem Ruder liefen. Als Dank für den prasselnden, von lautstarkem Trampeln untermischten Beifall bot Flautando eine ausgesprochen witzige Musikkabarett-Nummer als Zugabe: den Csárdás von Monti, untermischt mit etlichen anderen populären Melodien, samt einer täuschend echten, auf Blockflöten geblasenen Schnarch-Einlage.

Die Reihe „Kultur im Kreis“ wird am kommenden Wochenende abgeschlossen. Am Freitag, 21. September, ist das Theaterprojekt „Südlanthis, die versunkene Stadt“ in Hann. Münden am Dielengraben an der Werra hinter dem Welfenschloss zu erleben. Beginn ist um 18 Uhr. Das Pop-A-cappella-Quintett „Quintense“ gastiert am Sonnabend, 22. September, um 20 Uhr in der Aula der Ursulinenschule in Duderstadt.

Von Michael Schäfer

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