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Fotografin Ria Patricia Röder erzeugt im Künstlerhaus Licht durch Dunkelheit

Sezierung der Nacht Fotografin Ria Patricia Röder erzeugt im Künstlerhaus Licht durch Dunkelheit

Von der Kent Avenue im New Yorker Stadtteil Williamsburg kann man über den East River nach Manhattan schauen, man sieht die Lichter der nächtlichen Stadt, Empire State Building und die charakteristische Chrysler-Spitze leuchten von Ferne.

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Schatten und Schlaglichter: Fotografin Röder vor ihrem Werk „Untertag I“ (2009).

Quelle: Heller

Göttingen. Noch besteht hier die abgerockte Struktur der Brooklyner Nordseite, die „Aufwertung“ der Gegend durch Wohn- und Geschäftsbauten ist noch nicht so weit vorangeschritten, dass keine Container und Eisenbahnwaggons, Gastanks und blecherne Fässer hinter Maschendrahtzäunen zu sehen wären.

Dieser Blick bildet den Hintergrund des Bildes „Untertag I“ der Fotografin Ria Patricia Röder. Ihre Ausstellung „Lightbox“ ist derzeit im Künstlerhaus zu sehen.

Im von drei strahlenden Straßenlaternen pointierten und doch dunklen Vordergrund des Bildes, diesseits der Kent Avenue, steht auf einem kleinen Parkplatz unweit der Kreuzung ein mattschwarzes älteres Modell der Mercedes S-Klasse, in der düsteren Dunkelheit davor ein Mann in Rückenansicht.

Er holt den Betrachter mit ins Bild. Man steht unwillkürlich hinter ihm, der mit einem Blitzgerät einen Ausschnitt des Bildes beleuchtet, hervorhebt, eindringlich akzentuiert. Dieses  Schlaglicht spitzt die zwielichtige Situation wie aus einem Film zu, wählt einen collageartigen Fokus, der das Bild abseits des Motivs aus Licht, Linie und Form allein konstruiert.

Die Schlaglichter, die Röder durch die blitzenden Personen in ihren Bildern wählt, zeigen ihr Interesse an. Sei es ein Schwanenboot im längst abgewirtschafteten DDR-Freizeitpark, einige schwimmende Glühbirnen abseits im Wasser oder der morbide Charme eines Kellerganges, mal in Richtung auf den Betrachter beleuchtet, mal weg von ihm angeblitzt.

Größenverhältnisse und Perspektiven verschieben sich, die Zusammenhänge zwischen den Lichtfeldern gehen verloren und konstruieren zugleich neue Bedeutungen.

Während sie in der einen Ansicht unheimlich und hintergründig in den Schattenseiten der Arrangements erscheinen, wirken sie dort poetisch und funkelnd, wo sich die Sichtweise doppelt. Viele der Bilder bestehen als Paare oder Doppelbelichtung, Röder holt Gegenstände oder Stimmungen sezierend analytisch und zugleich mit größtmöglicher Unmittelbarkeit aus dem Dunkel oder der Dämmerung hervor und übergibt sie im gleichen Moment einer noch größeren Ungewissheit.

Dieses Herausholen funktioniert nicht nur auf inhaltlicher Ebene, auch technisch arbeitet die Fotokünstlerin, indem sie in der Dunkelkammer ihre farbigen Abzüge, zum Beispiel bei „Untertag I“, von 134 mal 168 Zentimetern, selbst aus dem Dunkel hervorholt. So spiegelt sich auch technisch die gedankliche Struktur, wie Röder es bereits in ihrer Farbfotogrammserie „Laboratorium“ gezeigt hat, wider. „Night Editor“ heißt eines der Bilder. Als „Night Editor“ arbeitet auch Röder, schön und von kluger Konsequenz.

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr bis zum 9. Juni zu sehen.

Von Tina Lüers

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