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Fräulein Smilla sucht Gerechtigkeit

Premiere im Deutschen Theater Fräulein Smilla sucht Gerechtigkeit

Ein Eskimo-Junge stirbt, weil er vom Dach gesprungen sein soll. Die Behörden ermitteln nicht. Doch Jesaja, der tote Junge, hatte eine Freundin, Fräulein Smilla. Sie untersucht den Fall auf eigene Faust, weil sie nicht an Unfall oder Selbstmord glauben will.

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Unter Druck: Der Gerichtsmediziner (Meinolf Steiner), der den toten Eskimo-Jungen untersucht hat, wird von Smilla (Sybille Weiser) zur Rede gestellt.

Quelle: Wienarsch

Denn sie weiß, dass Jesaja unter panischer Höhenangst litt. Nie wäre er freiwillig auf ein Dach gestiegen, sagt Smilla. Die junge Regisseurin Anne Sophie Domenz, die derzeit in der hochgelobten Theaterakademie Hamburg ausgebildet wird, hat diesen Wirtschaftskrimi und Ökothriller mit reduzierten Mitteln auf der Kellerbühne im Deutschen Theater inszeniert – eine Herausforderung.

Sybille Weiser spielt Fräulein Smilla, und sie spielt die Titelrolle überzeugend. Weiser gibt ihrer Figur Raum für ein Selbstbewusstsein, das sie in die Nähe von Einsamkeit führt. Sie gibt ihr viel Zärtlichkeit im Rückblick auf die Freundschaft mit Jesaja und Hartnäckigkeit bei der Suche nach der Wahrheit. Smilla ist Tochter einer Ureinwohnerin Grönlands und eines dänischen Arztes. In Kopenhagen fühlt sie sich entwurzelt, sie verliert ihr Gespür für Schnee, das sie, zurück in ihrer Heimat, wiederfindet. Weiser vermittelt viel dieser interkulturellen Verwirrung.

Viel Rückhalt vom Partner

Meinolf Steiner glänzt gleich in mehreren Rollen. Er ist Vater, Pathologe und einiges mehr; ein mehr als verlässlicher schauspielerischer Partner, der Weiser viel Rückhalt bietet. Er spielt dramatisch, komödiantisch, emotional und mitreißend.

Regisseurin Domenz hat aus dieser eher groß angelegten Geschichte ein Kammerspiel inszeniert (was blieb ihr auch anderes) und ihre Schauspieler dabei sehr präzise angeleitet. Ihr Bühnenbild allerdings verspricht mehr, als es hält.

Federleichte Verpackungs­chips hat sie in einem Rahmen ausgebreitet, hier ist Schnee gefallen. Nur selten spielen die Akteure mit dem Material, den Rahmen, dessen Einzelteile mit Scharnieren beweglich miteinander verbunden sind, nutzen sie nicht zum verschieben, sie balancieren darauf hin und wieder. Hier wäre sicher mehr möglich gewesen. In Erinnerung bleiben eine konzentriert erzählte Kriminalgeschichte mit viel Tiefgang – und ein bemerkenswertes Schauspielerduo.

Weitere Vorstellungen: 22. und 28. Dezember sowie am 9., 22. und 31. Januar um 20 Uhr. Kartentelefon: 05    51   /   49    69    11.

Peter Krüger-Lenz

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