Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Franziska Becker ist Göttinger Elchin 2012
Nachrichten Kultur Regional Franziska Becker ist Göttinger Elchin 2012
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:27 08.05.2013
Laudatorin und Preisträgerin: Alice Schwarzer (l.) mit Franziska Becker, der laut Jury „witzigsten Frauenrechtlerin Deutschlands“. Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Neben der Urkunde gab es für die 62-Jährige ein Preisgeld in Höhe von 3333,33 Euro, gestiftet von der Göttinger Sparkasse, eine silberne Brosche und 99 mintgrüne Dosen voller Elch-Rahmsuppe. Eine freudestrahlende Preisträgerin trat an das mit einem Stoff-Elch ausgestattete Rednerpult im Deutschen Theater. Rechter Hand stand die neunstöckige Pyramide aus Elch-Rahmsuppen-Dosen bereit, ein großes Foto von ihr mit goldenem Lorbeerkranz war auf den Bühnenvorhang projiziert. Als „führende Cartoonistin und witzigste Frauenrechtlerin Deutschland“ beschreibt sie die Jury des „Göttinger Elchs“. Am Sonnabend wurde der Preis zum 15. Mal vergeben, Franziska Becker ist nach Marie Marcks die zweite Frau, die ihn bekommt. Doch halt, wo war ihre vorbereitete Rede? Becker blickte um sich, hatte sie am Platz vergessen. „Hier“, rief Laudatorin Alice Schwarzer aus der ersten Reihe und eilte zum Bühnenrand. Nicht ohne sich dabei mit einem lauten Geräusch an der Kante zu stoßen.

Nach Übergabe des Manuskripts ließ die Gewinnerin verlauten, sich mit einem Griff zum Synonymwörterbuch vorbereitet zu haben, um nicht zu oft das Wort toll zu verwenden, wie zuletzt bei ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung im Alten Rathaus. Virtuos daher ihre Rede an diesem Abend: „Ich bin überglücklich von dieser formidablen Jury ... in dieser honorablen Stadt. Auch für die treffliche Zusammenarbeit bei der Ausstellung, … meisterhaft gehängt. … die zauberhafte Silberbrosche und die Elchsuppe ... in besonders seliger Erinnerung. … dieser kapitale Preis.“

Alice Schwarzer war kurzfristig für die erkrankte Antje Kunstmann als Laudatorin eingesprungen. Seit 35 Jahren kennen sich Franziska Becker und die Emma-Herausgeberin, schließlich steuert Becker seit der ersten Ausgabe den Cartoon bei. Entsprechend persönlich fiel Schwarzers Laudatio aus. Becker sei nicht nur eine Feministin, sondern eine bewusste Frau, die kritisch auf die Welt blicke. „Eine Chronistin unserer Zeit“. Sie sei sarkastisch, aber niemals zynisch. Schwarzer erinnerte auch an die Anfänge. Damals, als Becker sich 1976 mit einem kleinen Selbstporträt bei ihr bewarb, weil sie gehört hatte, dass eine Cartoonistin für eine neue Frauenzeitschrift namens Emma gesucht werde. Für Schwarzer lagen die Dinge auf der Hand: „Es war ganz klar. Die Frau kann zeichnen.“

Eine weitere Rede hielt (neben Rainer Hald, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Göttingen) standesgemäß Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Er witzelte über den Druck, unter dem er angesichts der Laudatorin und Preisträgerin stehe. „Mensch, Meyer“, habe er sich gesagt, „heute Abend musst du perfekt gendern. Du darfst dir keinen Fehler erlauben, Deutschlands Frauenbewegung hängt aufmerksam an deinen Lippen.“ Also: Dank den „Planern und Planerinnen, Sponsoren und Sponsorinnen“.

Für die Bespaßung ganz offiziell zuständig war neben Lars Wätzold, Impro-Theater-Schauspieler aus der Göttinger Comedy Company und Moderator des „Elchs“ seit 2008, vor allem das Künstlerinnen-Duo Wüst‘n‘Rot, bestehend aus den Kölnerinnen Dagmar Schönleber und Katinka Buddenkotte. In drei Akten führten sie durch den Abend, hauptsächlich mit Lesungen eigener Texte. Die haben so klingende Titel wie „In Würde altern für Anfänger. Teil eins: So geht’s nicht“ und handeln oft vom Kampf um Authentizität und Selbstbehauptung. Schönste Komik, das kam gut an im vollen Saal, manchmal griff Schönleber auch zur Gitarre. Dann meldete sich noch Josef Hader, Elchpreis-Gewinner von 2011, per Video mit einem Grußwort. „Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Fleisch in einer Elch-Rahmsuppe enthalten ist“, verkündete er aus seiner roten Küche. Eine wirklich tolle, äh nein, formidable Preisverleihung.

tw

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige