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Frau Hase und eine verhärmte Merkel

Kabarettistin Eva Eiselt Frau Hase und eine verhärmte Merkel

Abstehende Hasenzähne, Schlappohren und eine Möhre knabbernd. So hoppelt Eva Eiselt am Sonnabend auf die Apexbühne. Was zunächst irritierend und ein bisschen zu albern für einen Kabarettabend wirkt, entpuppt sich als witziger Blick auf die Gattung Mensch und lässt den Abend schließlich zu einer gelungenen Reise durch die Kuriositätenwelt unserer Unvernunft werden.

„Guck mal, das verkümmerte Männchen da! Das könnte ein Homo Germanicus sein! Der glaubt, sein Lebensraum ist bedroht durch den Homo Arabicus. – Der da? – Nee, das ist ein Homo Göttingencus!“, erklärt die Hasenmutter beim Menschenbeobachten ihrem Kind aus sicherer Entfernung.

Doch nicht ausschließlich als Frau Hase begeistert Eiselt im ausverkauften Apex. Die Kölnerin schlüpft in ihrem Programm „Geradeaus im Kreisverkehr“ in die verschiedensten Rollen und führt auf ihre ganz eigene, äußerst wandlungsfähige Weise das Publikum an die skurrilsten Abgründe menschlicher Existenz. So auch in Gestalt der

nymphomanischen Sigrid, die zunächst mit Brille und Sakko an den Bühnenrand tritt, um harmlos und intellektuell interessiert im Lesekreis ihre Interpretation von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ darzulegen, dann aber doch ungestüm zu ihrem eigentlichen und wie es scheint sehr dringlichen Anliegen – einen Mann fürs Bett kennen zu lernen – kommt. Oder als geschniegelte Geschäftsfrau mit Handy am Ohr, die an Erinnerungsverlust der Namen ihrer Gesprächspartner („Frau … äh … äh … äh …“) leidet und schließlich an einem Essensrest zwischen den Zähnen und den von ihr selbst kreierten Marotten der Moderne, etwa einem Sprachcomputer, verzweifelt.

Großartig verhärmt wirkend, wird sie zudem zu Angela Merkel, die gelangweilt an ihrem Schreibtisch vor sich hindöst und schließlich per Abzählreim entscheidet, ob und welches Atomkraftwerk nun vom Netz genommen werden soll: „Ene mene Strahlen, ich hab’ Angst vor Wahlen, ene mene rot und du bist tot!“.

Neben Eiselts Wandlungsfähigkeit – nur mit wenigen Requisiten schlüpft sie von einer in die nächste Figur – gelingt ihr vor allem durch ihren offenherzigen und spontanen Umgang mit den Zuschauern, die sie immer wieder direkt einbezieht und anspricht, eine Nähe zum Publikum, die schließlich mit ausdauerndem Applaus und allgemeiner Begeisterung belohnt wird.

Von Indra Hesse

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