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„Fridas Weg“ in der Göttinger Torhaus-Galerie

Uraufführung „Fridas Weg“ in der Göttinger Torhaus-Galerie

Seit Ende des Jahres 2011 hat die Kunst in das Torhaus des Göttinger Stadtfriedhofs Einzug gehalten. Nach der bildenden nun auch die darstellende Kunst, denn zum ersten Mal gab es im Torhaus eine Theatervorstellung . Die Wahl des Ortes für die Premiere und Uraufführung von „Fridas Weg“ von der Theaterwerkstatt Göttingen ist auf bedrückende Weise passend.

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Blick in Vergangenheit: Frida (M. Essel) liest Briefe ihres Opas.

Quelle: Opitz

Das Stück für Jugendliche und Erwachsene von Thea Brende thematisiert den Tod tausender Kinder im dritten Reich. Kindern, die nicht der Norm entsprachen und als „erbkrank“ klassifiziert und unter der irreführenden Bezeichnung Euthanasie (schöner Tod) vermeintlich erlöst wurden. Zahlreiche zum Teil nach Kriegsende sehr angesehene deutsche Ärzte waren an den Verbrechen an behinderten Menschen beteiligt.

Dass auch der von ihr so geschätzte und geliebte Großvater sich schuldig gemacht haben soll, kann Kunststudentin Frida (eindringlich gespielt von Mosa Anna Essel) nicht glauben.

Sie selbst hat ein Handicap. Leiden tut sie aber mehr unter dem Schweigen in ihrer Familie über Vergangenes und unter der Nichtthematisierung ihres Andersseins, als unter dieser körperlichen Beeinträchtigung. Die Initialzündung zum plötzlichen Einbruch der Vergangenheit in die Vorbereitungen von Fridas erster Ausstellung gibt Fridas freche und diskussionssüchtige Schwester Karla (Eva Maria Balkenhol).

Esse überzeugt als pubertäre, ständig schwarz gekleidete Moral­instanz der Familie ebenso wie als 10-jährige Annegret, die von Fridas Großvater 1943 „behandelt“ wird, stirbt und deren Zeichnungen der Großvater in seinem Nachlass aufbewahrt hat. Damit von Karla konfrontiert, muss Frida schmerzhaft erkennen, dass ihr Großvater an ihr lediglich wiedergutzumachen suchte, was er als junger naiver Arzt (glaubhaft: Thomas Hof) verbrochen hatte.

Regisseurin Dorothea Derben spannt in ihrer schlicht gehaltenen und doch einnehmenden Inszenierung den Bogen zur Gegenwart, in der eine ständige Ausweitung des Indikationsspektrums für die Präimplantationsdiagnostik (PID) zu beobachten ist. Die Inszenierung prangert dies vor allem durch die Figur der Frida an, denn diese Diagnostik zur Auslese „schließt die Existenz der Seele aus“, ereifert sich Frida gegenüber ihrem Freund und Medizinstudenten Jannis (Thomas Hof).

Es sind große ethisch-moralische Themen, die da in knapp zwei Stunden abgehandelt werden. Das führt teilweise zu allzu künstlichen und überladenen Dialogen. Die Stärke der Inszenierung liegt eher in den leisen Tönen als im lauten, teilweise auf die Spitze getriebenen Moralisieren sowie in innig ästhetischen Zweiermomenten wie dem  Flamencotanz mit rotem Stöckelschuh an der Hand, denn an Fridas Fuß will der Schuh eben nicht passen.

Weitere Vorstellungen

24. und 26. Januar um 19.30 Uhr 

25. und 29. Januar um 10 Uhr

in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1 in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 77 03 785.

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