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Konzert mit dem Gastdirigenten Joachim Klumpp

Göttinger Symphonie-Orchester Konzert mit dem Gastdirigenten Joachim Klumpp

„Alles tanzt“ hieß das Motto des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Donnerstag in der gut besuchten Stadthalle. Gastdirigent Johannes Klumpp leitete ein Programm mit Werken von Bartók, Mozart und Brahms, Solist war der Geiger Erik Schumann.

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Solist Erik Schumann und Dirigent Joachim Klumpp im GSO-Konzert. Der Dirigent ist höchstwahrscheinlich ein Kandidat für die Nachfolge Muellers.

Quelle: r

Göttingen. Um Tanz ging es gleich im Eröffnungsstück des Abends, der Tanz-Suite von Béla Bartók – auch wenn die zahlreichen Taktwechsel und andere rhythmischen Überraschungen einem Tanzpaar wohl arge Nöte bereiten würden. Der Dirigent ist dabei erheblich gefordert, nicht zuletzt auch durch häufige Beschleunigungs- und Bremsstrecken, die klug disponiert sein wollen. Sehr souverän und elastisch gestaltete Klumpp diese mitreißende, stellenweise wilde Musik der frühen 1920er-Jahre, setzte die Akzente präzise und sorgte mit den gut vorbereiteten Instrumentalisten des GSO für bezaubernde Klangfarben, von denen besonders die betörenden nächtlichen Klänge mit Harfe, Klavier, Streichern, Holzbläsern und Hörnern im vierten Satz in Erinnerung bleiben, vor denen Englischhorn und Bassklarinette ihre magischen Melodien entfalten.

Auch Mozarts A-Dur-Violinkonzert hat viele tänzerische Passagen, wiewohl Solist Erik Schumann in seiner Interpretation eher einen kraftbetonten, energischen als einen graziös tändelnden Mozart herausstellen wollte. Das milderte Klumpp ein wenig, legte dem hier und da etwas stürmisch vorwärtsdrängenden Solisten sanft die Zügel an, sodass in Summe – auch in der Balance zwischen dem Solisten und dem Orchester – ein sehr ausgewogenes Bild entstand, in dem der technisch brillante Solist sein Publikum mit Virtuosität und musikantischem Temperament fesselte. Die lyrischen Momente im langsamen Satz hatten angemessene Süße, bei den fetzigen ungarischen Passagen im Finale loderte das Feuer geradezu. Dementsprechend prasselte der Applaus. Dafür hatte Schumann die passende besänftigende Zugabe: die zarte Sarabande aus Bachs Solo-Partita d-Moll.

Eine ausgewachsene romantische Symphonie wie die Zweite von Brahms bietet für einen Gastdirigenten die besten Voraussetzungen, seine Fähigkeiten zu präsentieren. Klumpp ist mit dieser Musik sehr eng vertraut, wie seiner weit vorausschauenden Gestaltung anzumerken war. Er verband ausgefeilte Detailgenauigkeit mit bestens disponierten Steigerungs- und Entspannungsbögen, verfiel auch nicht auf die wohlfeile Methode, mit besonders hohen Tempi Eindruck zu schinden. Der Kopfsatz besaß eindrucksvolle Größe, der langsame Satz Würde und stellenweise eine ganz edle Trauer. Im Allegretto arbeitete Klumpp die Kontraste zwischen dem ländlerartigen, getragenen Dreivierteltakt im Hauptteil und den Presto-Einschüben fein heraus. Mächtig flossen die musikalischen Ströme im Finale, dessen Coda Klumpp zu einem ganz besonderen Glanzpunkt machte. In den unmittelbar nach dem Schlussakkord aufbrausenden Schlussbeifall mischten sich lautstarke Bravo-Rufe und grelle Pfiffe der Begeisterung.

Die nächsten Termine: „Romantisch“ am Freitag, 27. Oktober, mit Werken von Weber, Stark und Dvořák (Gastdirigentin: Anja Bihlmaier, Solist: Dimitri Ashkenazy, Klarinette) und „Endzeit“ am Donnerstag, 9. November mit Musik von Widmann, Elgar, Wagner und Sibelius (Gastdirigent: Mark Rohde, Solist: Maximilian Hornung, Violoncello). Beginn ist um 19.45 Uhr, Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Weender Straße 44, und in Duderstadt, Marktstraße 9, sowie unter gt-tickets.de.

Von Michael Schäfer

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