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Regional Temperamentvolle Spiellaune
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15:20 10.04.2017
Als Gastdirigent leitete diesmal Leo McFall den Abend. Quelle: Heller
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Göttingen

Auf dem Programm standen Werke von Elgar, Beamish, Vaughan Williams und Stanford, alle nicht eben alltäglich für ein Konzert hierzulande. Den festlichen Anfang machte Edward Elgars Konzertouvertüre „Froissart“, die 1994 einmal auf einem Programm der Akademischen Orchestervereinigung stand, sonst aber in den vergangenen 40 Jahren in Göttingen noch nie erklang. Gastdirigent Leo McFall, als gebürtiger Londoner mit dem britischen Repertoire bestens vertraut, vermied allzu auftrumpfende Gesten in diesem musikalischen Ritterstück und arbeitete sanfte melodische Rundungen heraus.

Eine sehr junges Werk folgte: das vor gut vier Jahren uraufgeführte Konzert „Seavaigers“ von Sally Beamish. Die 1956 geborene Komponistin hat dieses dreisätzige Seefahrer-Stück in den Soloparts mit Fiddle und schottischer Hakenharfe besetzt, ihm also einen folkloristischen Touch verliehen.

Das bekommt der Musik sehr gut: Sie hat häufig sehr fröhliche, muntere Passagen, die mit improvisierten Abschnitten durchsetzt sind und deshalb das Zuhören zu einem einmaligen Ereignis machen. Die hochprofessionelle Violinistin Gabi Maas - die Fiddle-Musik kann sehr wohl auf Geigen gespielt werden, die Spielweise ist wichtig, nicht die Bauart des Instruments - harmonierte prächtig mit der Harfenistin Jean Kelly. Beide warfen sich in den improvisierten Passagen flink die musikalischen Bälle zu. Das hier auf Streicher beschränkte Orchester unter McFalls sensibler Leitung ließ sich auch von raschen Fünfer- oder Siebenertakten nicht aus der Bahn werfen.

Eine ganz andere Farbe boten die GSO-Streicher in der Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis des Romantikers Ralph Vaughan Williams. Das ist eine meditative, warm strömende Musik, die den Renaissance-Ton des Themas mit der tiefen Emotionalität der Spätromantik vereint. Die Musiker spielten dieses kostbare Stück mit Hingabe. Zwei Orchesterhälften dialogisieren hier miteinander. Dazu tritt im Schlussteil eine Streichquartettbesetzung, bei der Seayoung Kim und Dmitri Feinschmidt (Violinen), Atsushi Komatsu-Hayakawa (Viola) und Sea Young Lee (Violoncello) ein ungewöhnlich hohes Maß an Ausdrucksstärke und Tonschönheit präsentierten.

Den heiteren Kehraus bildete die erste Irische Rhapsodie von Charles Villiers Stanford, in der die Streicher und Bläser des GSO unter McFalls ausgesprochen anregender Leitung temperamentvolle Spiellaune bewiesen. Dementsprechend lang anhaltend und lautstark war der Schlussapplaus.

Nächstes GSO-Konzert: „Beethovens Welt“ am Donnerstag, 27. April um 19.45 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz.

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