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Lieder des Abschieds

GSO spielt Werke von Gustav Mahler Lieder des Abschieds

Am Ende dieser Saison verlässt Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO). Deshalb hatte er am Sonnabend im ersten Konzert des ersten Abo-Zyklus ein grandioses Werk des Abschieds ins Programm genommen: Gustav Mahlers „Lied von der Erde“, vom Publikum mit Begeisterung gefeiert.

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Quelle: GT

Göttingen. Der Abend in der nicht ganz voll besetzten Stadthalle wurde mit einer Uraufführung eröffnet. Der renommierte Schweizer Komponist Gérard Zinsstag, Jahrgang 1941, hat unter dem Titel „Masques“ ein außergewöhnliches Werk für Klavier und Orchester geschaffen, nicht in den üblichen drei Sätzen, sondern in neun Szenen, in denen das Klaviersolo als Partner des Orchesters fungiert. Außerdem verzichtet Zinsstag auf alle Streicher außer den Kontrabässen.

Es ist also eine vor allem bläserlastige Partitur, die außerdem mit viel Schlagzeug und einer Harfe aufwartet. Mit diesem Material erzeugt der Komponist ein großes Spektrum an Klangfarben, die er mit viel Temperament mischt. Zinsstags musikalische Sprache ist bisweilen geradezu eruptiv, nirgends gefällig, sondern eher heftig. Gern versteckt er in seinen Partituren Zitate, in „Masques“ etwa 45. Doch sind sie so gut versteckt, dass sie nicht gleich auffallen.

Nicht nur deshalb wäre es schön, das gestaltenreiche und lebendige, beim ersten Hören aber etwas sperrige Werk noch einmal zu hören. Die brillante und mit schier unerschöpflichen Kraftreserven ausgestattete Pianistin Ancuza Aprodu sowie auch alle GSO-Musiker bewiesen in dieser von Mueller mit leidenschaftlicher Energie geleiteten Uraufführung Konzentration, Einfühlungsvermögen und große Virtuosität. Der Beifall für Mueller und Aprodu (denen Zinsstag das Werk gewidmet hat) sowie für die GSO-Instrumentalisten war ausgesprochen herzlich.

In Mahlers „Lied von der Erde“ geht es um Jugend, Schönheit und Lebensfreude wie um Entsagung, Abschied und Tod. Die sechssätzige Symphonie mit Tenor- und Altsolo erfordert eine sehr große Besetzung unter anderem mit drei- bis vierfachen Holzbläsern, drei Posaunen und Basstuba, zwei Harfen, Celesta, Mandoline und Schlagwerk sowie dementsprechend vermehrten Streichern. Das nutzt Mahler nicht etwa für bombastische Lautstärken, sondern für vielfach differenzierte Klangfarben, die Mueller am Dirigentenpult mit großer Sensibilität zum Leuchten brachte. Dazu sorgte er für ein strömendes Fließen der Klänge, für spannungsreiche musikalische Entwicklungen, für markante Akzente.

Sehr homogen war der Orchesterklang, die Dynamik reichte von strahlendem Tutti-Fortissimo bis zu beinahe geflüsterten Streicherklängen, die gleichwohl nirgends ihre Präzision und Präsenz verloren. Eine Vielzahl solistischer Aufgaben sind den Orchestermusikern anvertraut, stellvertretend seien Konzertmeisterin Seayoung Kim, Solocellistin Seo Young Lee, Flötistin Bettina Bormuth und Solo-Hornistin Kathrin Duschmalé genannt.

Protagonisten im „Lied von der Erde“ sind die beiden Gesangssolisten. Die Tenorpartie hatte Mueller dem Heldentenor Norbert Schmittberg anvertraut, der in mittleren und unteren Lagen mit viel Kraft und vokalem Glanz aufwartete. Doch mit den Spitzentönen hatte er einige Schwierigkeiten, er musste sie dynamisch stark zurücknehmen, sodass man stellenweise ihn nur singen sah, aber nicht hörte. Die Mezzosopranistin Cécile van de Sant gestaltete ihren umfangreichen Part mit großer Souveränität und reich differenziertem Ausdruck: So muss Mahler klingen. Nach dieser zutiefst bewegenden Aufführung wollte der Beifall kaum enden.

Nächstes GSO-Konzert: „Zerklüftet“ am Freitag, 6. Oktober, um 19.45 Uhr in der Göttinger Stadthalle mit Werken von Ysaÿe, Spohr und Mendelssohn unter der Leitung von Peter Kuhn.

Von Michael Schäfer

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