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Regional Game-Theater mit dem Boat People Projekt
Nachrichten Kultur Regional Game-Theater mit dem Boat People Projekt
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00:25 16.05.2018
Christopher Weiß als Wissenschaftler, der mit einem Virus die zerstörerische Menschheit auslöschen will. Quelle: r
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Göttingen

„So, jetzt bitte einzeln antreten, Namensschild abholen, mit reinnehmen.“ Noch vor der Tür des Theaters im ehemaligen IWF fängt das Spiel an. Der Hausmeister (de la Chevallerie) hat einen unangenehmen, energischen Ton am Leib, zögerlich gehen die ersten zum Tisch. Versehen mit neuem Namen und Beruf, treten 27 Zuschauer ein und werden zu Mitspielern. Arzt, Ingenieurin, Pfarrer, Rentner, Soziologin, Mathelehrerin, Erzieher, Polizistin sind sie hier drinnen.

In „Am Tag danach“ experimentiert die Göttinger Theatergruppe Boat People Projekt mit einem neuen Format, dem Game-Theater, einem interaktiven Theaterstück in dem beiden Seiten mitgestalten. Bislang spielte die Gruppe das Stück nur in Schulvorstellungen mit Jugendlichen. Die Projektleitung hat Nina de la Chevallerie.

Im Keller des Kongresshotels überlebt

Ein langer Tisch steht im Raum, jeder hat hier seinen Platz. Licht aus. „Das ist keine Übung. Der Katastrophenalarm ist ausgerufen.“ Der Bürgermeister sendet eine Videobotschaft. Eine Katastrophe hat die Welt fast zerstört. Die Gruppe befindet sich im Keller des Kongresshotels und soll hier auf Rettung warten.

Level eins des Planspiels beginnt: durchzählen, Gegenstände, die das Überleben sichern, finden. Diese dann sinnvoll verteilen unter den Anwesenden. Level eins ist bewältigt und der Spielassistent (Christopher Weiß) stellt sich vor. Er ist, so erklärt er, ein Teil des Spiels, allerdings nur ein Programm und leitet durch das Geschehen.

Immer weiter geht es mit Aufgaben. Und für jede Aufgabe gibt es nur eine bestimmte Zeit. Zum Ende hin mahnt eine nervige Sirene die Mitspieler. Die ersten Level lassen sich gut bewältigen. Der Hausmeister, der sich als einziger aus dem Raum traut, muss beispielsweise per WalkyTalky durch den Keller gelotst werden. Die wenigen Vorräte, die er findet, müssen gerecht verteilt werden.

Einen soll die Gruppe aussortieren

Doch die Lage spitzt sich zu, die Entscheidungen, die die Gruppe treffen muss, werden existenzieller. Die Mitspieler müssen vortragen, wie sie in der künftigen Welt eine solche Katastrophe verhindern wollen. Ein Wissenschaftler muss davon abgehalten werden, ein tödliches Virus auf den Rest der Menschheit loszulassen. Einen muss die Gruppe aussortieren, für ihn gibt es bei der Evakuierung keine Gasmaske.

Nach jeder Entscheidung des Publikums müssen die Schauspieler einen Weg finden, um das Stück trotzdem zum gewünschten Ende zu bringen. „Dann müssen wir Umwege nehmen“, erklärt de la Chevallerie später. Die beiden bewältigen das souverän. Auch als die Gruppe am frühen Sonnabend rebelliert bei dem Plan zur Evakuierung. Weiß gibt einen smarten Spielassistenten, de la Chevallerie einen mal hilfsbereiten mal irgendwie merkwürdigen Hausmeister.

Tolles Format

Dieses Planspiel ist ein tolles, sehr zeitgemäßes Format. Das die Mitspieler unter anderem nachdenklich zurücklässt, ob mancher Entscheidung, die da unter Druck gefällt wurde. Im Dezember will de la Chevallerie ein größeres Game-Theater-Projekt starten, mit etwa 100 Zuschauern und fünf Performern. Das dürfen Theaterfans mit Spannung und Vorfreude erwarten.

Von Christiane Böhm

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