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Geigerin Anna Sophie Dauenhauer zu Gast in Duderstadt

Klavierbegleitung Geigerin Anna Sophie Dauenhauer zu Gast in Duderstadt

Man nehme zwei Repertoirestücke und dazu eine Rarität: Daraus kann ein außergewöhnlich spannendes Konzert werden. Die junge Geigerin Anna Sophie Dauenhauer hatte für ihren Violinabend am Sonntag in Duderstadt Beethovens „Frühlingssonate“ und die A-Dur-Sonate op. 100 von Johannes Brahms ausgewählt, dazu die Sonate e-Moll op. 36a von Ferruccio Busoni.

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Anna Sophie Dauenhauer

Quelle: EF

Busoni ist unter den (fast) vergessenen Komponisten der Zeit um 1900 sicherlich einer der interessantesten. Seine 1898 komponierte Sonate steht quer zur Tradition: Eröffnet und beschlossen wird sie von langsamen Sätzen. Als Mittelsatz fungiert ein ausgesprochen wildes, eckig-schroffes Presto-Scherzo, das meilenweit entfernt ist von irgendeiner zeit­typischen Jugendstil-Attitüde.

Sehr grüblerisch ist der Kopfsatz. Dem Finale liegt ein schlichter Bach-Choral als Variationsthema zugrunde. Doch das dürfte ein durchschnittlich vorgebildeter Zuhörer kaum merken, denn Busoni schürft so tief in dem thematisch-motivischen Material, atomisiert es nahezu und setzt daraus wieder ganz neue Elemente zusammen, dass seine Musik eher in gedachtem als in hörbarem Zusammenhang mit dem Thema steht.

Um den Reiz dieser Musik zu spüren, muss man sich allerdings auf ihre gewisse Sperrigkeit einlassen. Das taten Anna Sophie Dauenhauer und ihr Klavierpartner Lukas Maria Kuen mit Leib und Seele. Ihr Plädoyer für Busoni war mitreißend, hatte Feuer, lebte von technischer Souveränität ebenso wie von leidenschaftlichem Temperament und hochentwickeltem Klangsinn.

Schon die eröffnende Frühlingssonate Beethovens war alles andere als harmlos. Geradezu unerbittlich setzte die Violinistin scharfe Akzente und gab der Sonate damit markante Konturen, die nichts mit hausmusikalischer Sanftheit zu tun hatten. Kuen am Klavier war ihr ein ebenbürtiger Partner mit seinem kraftvollen Zugriff und seinem fein differenzierten Anschlag.

Und wer hier vielleicht noch klangliche Süße vermisst hatte, wurde in der Brahms-Sonate entschädigt: Hier ließen Dauenhauer und Kuen die Musik breit und prächtig fließen. Die Zugabe für den begeisterten Applaus: „Sea-Shell“ des amerikanischen Musiker Carl Engel, ein Wohlklangs-Rausch in zartesten Flageolett-Tönen.

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