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Geistreich geht ganz anders

„Tante Lilli“ Geistreich geht ganz anders

Als nach der Pause zwei zuvor besetzte Plätze in der ersten Reihe frei bleiben, witzelt Tante Lilli: „Die Presse ist wohl schon gegangen“ und zeigt sich so verständnisvoll jenen gegenüber, die mit ihrer Art von Humor nichts anfangen können.

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Schlüpfrige Travestie: Tante Lilli (Guido Klode).

Quelle: Vetter

Göttingen. Natürlich war die Presse aber eigentlich noch dort, von Berufs wegen. Dass Andere sich zwanglos zu dieser Vorstellung begaben, kann verwundern. Das Apex war jedoch voll.

Mit ihrem Programm „Ein Single kommt selten zu zweit“ begeisterte sie das Publikum. Sie ist eigentlich ein er: der 1968 geborene Guido Klode nämlich. Neckisch zwinkert der aus Kassel stammende Travestieexperte in die Runde, kokettiert mit Männern jeden Alters. Das Problem, wieder Single zu sein, soll an diesem Abend noch behoben werden. Mit dem Ex Günther habe sich das Bett in eine „verkehrsberuhigte Zone“ verwandelt. Dies soll nun schleunigst geändert werden.

Aber Tante Lilli nimmt nicht jeden. Wie sie da in ihrem kunterbunten Hausfrauenoutfit von der Bühne quasselt, möchte man allerdings auch meinen, nicht jeder würde sie nehmen.

Tante Lilli sondiert den Männermarkt akribisch: „So einfach ist das nicht. Passende Männer sind entweder unter der Haube, unter 20 oder unter der Erde“. Sofortiger Zuspruch der Besucher, die entweder applaudieren oder aber sich auf die Schenkel schlagen.

Die rettende Idee, ein Gasthaus zu eröffnen – „da wo Bier ist, sind auch Männer“ – kommt Lillis bester Freundin Inge, die Klode überzeugend parallel zu Lilli mimt. Da „Männer eine taubstumme Nymphomanin mit einem Bierhandel suchen“, werden im Folgenden ebenso klischeehaft Szenen in der „Gulaschkanone“ beschrieben. Nur dass Lilli dabei nicht verstummt, im Gegenteil: Immer wieder schiebt sie Gesangseinlagen ein. Die „kleine Bunte“ ist ein echtes Multitalent, aber geistreich geht ganz anders.

Um diese Abwesenheit von Niveau nachhaltig zu manifestieren, reißt sich Lilli am Ende die Kittelschürze vom Leib und tanzt beschwingt im knappen neongrünen, paillettenbesetzten Bikini über die Bühne. Vor allem der Bauch dominiert bei dieser Einlage. Das Publikum gluckst vergnügt, die Rezensentin darf gehen – endlich.

Von Sarah Lodder

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