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Geldgier und Fischquirl

Premiere der „Stillen Hunde“ Geldgier und Fischquirl

Ein Mixer steht an diesem Abend im Mittelpunkt des Geschehens. Und dass, obwohl es solche Küchengeräte zu Mark Twains Zeiten noch nicht gegeben hat.

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Cowboys unter sich: C. Huber (links) und S. Dehler.

Quelle: Heller

Als Requisite setzten Stefan Dehler und Christoph Huber, die Göttinger Theatermacher „Stille Hunde“ dieses Gerät in ihrem neuen Programm „Amerikanische Komödien“ gekonnt ein. Die Stadtbibliothek, in der die szenische Lesung am Freitagabend stattfand, war zum Thema passend mit dem Sternenbanner dekoriert.

Die erste der beiden twainschen Satiren entführte das Publikum in eine Kleinstadt inmitten der USA. In dem Örtchen herrscht Aufruhr, denn ein Fremder hat vermeintlich einen Sack voller Goldstücke dort gelassen mit der Bitte an einen der Bürger, den rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen. Doch obwohl die Bewohner sich als rechtschaffene Menschen ausgeben, sind sie so geldgierig, dass sie sich in aller Öffentlichkeit um den letzten Funken Ansehen bringen.

Dies spielen Dehler und Huber mit viel Witz und wechseln dabei problemlos von einer Rolle in die nächste. Die Klischees kommen auch nicht zu kurz: Kein Bürger des Städtchens geht einen Schritt ohne Gewehr in der Hand und Cowboyhut auf dem Kopf. Außerdem erhält der Begriff Fast Food hier eine ganz neueBedeutung: Eine im Mixer gequirlte Coca Cola als Abendbrot eines eitlen Ehepaares sorgt für viele Lacher.

Nach der Pause kommen dann „Walfischhoden“ (rote Beete) und ein Fisch in den Mixer, was das Publikum (leicht angewidert) kaum fassen kann. In der zweiten Erzählung unterhält Twain (Dehler) persönlich sich mit einem jungen Eskimomädchen (Huber), welches ihm die dortigen Spezialitäten präsentiert. Das allein ist schon sehr amüsant. Immer wieder nehmen die Schauspieler Kontakt zum Publikum auf, fallen dabei teilweise aus den Rollen, was die Premiere nur noch sympathischer macht. Als Huber dann in einer spontanen Reaktion, den fischigen Inhalt des Mixers aus dem Fenster, direkt vor den Eingang der Bibliothek kippt, ist bewiesen, dass das Team sich vor allem durch seine Flexibilität auf der Bühne auszeichnet.

Von Sarah Lodder

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