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Gerd Schrammen: „Ich spreche gern Deutsch“

Neues Buch Gerd Schrammen: „Ich spreche gern Deutsch“

Von Hause aus ist er Romanist und Germanist, aber die deutsche Sprache ist seine Herzensangelegenheit. Der Göttinger Philologe Gerd Schrammen sagt von sich selbst „Ich spreche gern Deutsch“: Dies ist der Titel seines jüngsten Buches, in dem er 92 Texte „über die misshandelte Muttersprache“ vorstellt. Der größte Teil dieser kurzweiligen Beiträge stammt aus den Sprachnachrichten des „Vereins Deutsche Sprache“, dessen Vorstand Schrammen angehört. Mit aufgenommen sind auch einschlägige Texte anderer Autoren. Entstanden sind sie in den vergangenen acht Jahren.

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Gerd Schrammen

Quelle: Hinzmann

Thematisch geht es in erster Linie um das Eindringen englischer Wendungen ins Deutsche, das sogenannte „Denglish“. Aber auch lustige Blumennamen, falsche sprachliche Bilder oder die Vielfalt der Bezeichnungen für E-Mail in verschiedenen Sprachen werden behandelt.

Auch wenn es eigentlich um etwas Trauriges geht, die Misshandlung der Sprache nämlich, ist die Lektüre dieses Buches streckenweise sehr vergnüglich. Und was Schrammens sprachpflegerische Position darüber hinaus sympathisch macht, ist das Fehlen jeglicher Militanz. Denn auch wenn er sich prinzipiell dafür einsetzt, dass wir „alles – aber auch alles! – auf Deutsch sagen können“, will er nicht etwa längst eingeführte englische Wörter wie „Trainer“ oder „Fan“ durch „Übungsleiter“ oder „Freund“ ersetzen. Mit der bemerkenswerten Begründung: „Das deutsche Wort wäre das fremde, weil wir uns an das englische gewöhnt haben.“ Also macht er auch weder aus dem Pool einen Pfuhl noch aus der Nase einen Gesichtserker – Vorschläge von Sprachpuristen vergangener Tage, über die Gegner sprachpflegerischen Bewusstseins gern (in diesem Fall zu Recht) spotten. Umgekehrt erfahren wir, welche vermeintlich zeitgemäßen englischen Wendungen – etwa „Funeral Master“, wie sich die deutschen Qualitätsbestatter umbenennen wollten – den Spott englischer Muttersprachler provozieren, weil es jene Begriffe dort überhaupt nicht gibt.

Liebeserklärung

Nicht alle Beiträge dieses Buches sind Glossen. Etliche Texte erklären diese oder jene Eigentümlichkeit von Sprache und Schrift, erläutern den Hintergrund komplizierter Zahlwörter im Französischen und Dänischen – oder beschreiben einfach die Freude an der eigenen Muttersprache. „Die Muttersprachen sind die Völkerherzen, welche Liebe, Leben, Nahrung und Wärme aufbewahren und umtreiben“, schreibt Schrammen auf Seite 147. Das ist eine Liebeserklärung, keine Frage.

Gerd Schrammen: Ich spreche gern Deutsch. Über die mißhandelte Muttersprache. Paderborn 2009, IFB Verlag, 281 Seiten, 14,20 Euro.

Am Dienstag, 10. November, stellt Schrammen das Buch in einer Lesung in der Göttinger Buchhandlung Deuerlich vor. Beginn ist um 20 Uhr in der Weender Straße 33.

Von Michael Schäfer

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