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Regional Göttinger Germanist attestiert AfD-Führung den „Jargon von Gangstern“
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11:46 07.12.2018
Detering zu Alexander Gauland: „„Nicht die einzelne Vokabel, sondern das Narrativ folgt dem Jargon von Gangstern.“ Quelle: dpa
Göttingen/Köln

Der Göttinger Literaturprofessor Heinrich Detering wirft der AfD-Führung einen „Jargon von Gangstern“ vor. „Die berechtigte Empörung beschränkt sich in Deutschland immer wieder auf isolierte sprachliche Entgleisungen“, sagte der frühere Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag). Stattdessen müsse es darum gehen, „die ideologischen Denkmuster zu rekonstruieren, aus denen die vermeintlichen Entgleisungen folgerichtig und präzise hervorgehen“.

Der Germanist und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering. Quelle: dpa

 

Als Beispiel nannte der Germanist eine Wahlkampfrede des AfD-Co-Vorsitzenden Alexander Gauland von 2017 mit der Aussage, die damalige Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) nach Anatolien zu „entsorgen“. Im Kontext lasse Gauland „eine Vernichtungsfantasie auf diesen Punkt zulaufen“, erklärte Detering. „Die Gewaltforderung stellt sich ein, ohne dass sie ausgesprochen werden müsste.“ Dass Zuhörer bei AfD-Kundgebungen in Sprechchören die „Volksverräter“ erledigen wollten, zeige, wie genau sie verstanden werde. „Nicht die einzelne Vokabel, sondern das Narrativ folgt dem Jargon von Gangstern“, führte der Literaturwissenschaftler aus, der auch Thomas-Mann-Experte ist.

Gauland sei ein Virtuose der Zweideutigkeit, sagte Detering weiter. „Er will nichts gesagt haben, aber die Rücknahme ist auf Durchschaubarkeit anlegt.“ Das Ausloten der rhetorischen Ambivalenz-Zone gehöre zum rhetorischen Kalkül. „Das muss man ernst nehmen und sichtbar machen. Sonst gerät man in eine letztlich wirkungslose Empörungsschleife und verheddert sich im Gewirr einzelner Wörter und Begriffe.“

AfD-Mann André Poggenburg: Vokabular des Dritten Reiches gehört zu seinem Wortschatz. Quelle: dpa

Auch die ständigen Rückgriffe von AfD-Vertretern auf den Nationalsozialismus seien „keine Ausrutscher, sondern konstitutiv“, betonte Detering. „Die AfD muss die NS-Zeit aufwerten, weil sie nur dann die Kontinuität einer deutschen Kulturgeschichte behaupten kann.“ Dem demokratischen Konsens, dass der Nationalsozialismus einen beispiellosen Zivilisationsbruch bedeutet, müsse die AfD darum widersprechen. So bezögen sich die Ankündigungen Gaulands oder von Björn Höcke, man wolle sich „unser Land zurückholen“ auf ein Deutschland, das mit der Kapitulation am 8. Mai 1945 verloren gegangen sei. „Das Feindliche und Fremde, das mit diesem Datum vom Land Besitz ergriffen hat, ist der demokratische Rechtsstaat, die offene Gesellschaft“, erläuterte Detering.

Von epd

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