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Geschützt im Göttinger Kunstraum

Jahresausstellung Geschützt im Göttinger Kunstraum

Die Augen der Menschen sind nicht zu sehen. Verrutschte Masken, Strumpfhosen, orangene Plastiktüten, Hüllen wie die von zum Tode Verurteilten, geschlossene Lider: Charlotte Geister zeigt eine Sammlung von Fotografien der vergangenen fünf Jahre.

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Farbkontraste: Eine Besucherin schaut sich das Bild von Erhard Joseph an.

Quelle: Heller

Die Bilder, ausgeschnitten aus Zeitungen, sind auf weiße Papiere geklebt, mit Stecknadeln beiläufig an der Wand festgehalten. Eine Mindmaps oder „Landscapes of emotions“ ähnelnde Dokumentation, die an den archivierenden, aufzeichnenden Charakter von Kunst der 1960er Jahre erinnert. In ihren sammelnd gefundenen Motiven entsteht ein beiläufiges Netz mit vielfältigen Bezügen, verdichtend.

Die blicklosen Abbildungen verweisen auf das Thema der Ausstellung. Alle zwei Jahre geben die Künstler des Bundes Bildender Künstler (BBK) Südniedersachsen ihrer Jahresausstellung ein Oberthema, zu dem die Beteiligten dann arbeiten. 2009 ist „Blickdicht“ das Motiv, das die vielgestalten und in ihrer Eigenständigkeit und persönlichen Handschrift sehr unterschiedlichen Arbeiten vereint. Jeder der 23 Ausstellenden ist in seiner Eigenheit sofort erkennbar, BBK-Künstler Georg Hoppenstedt meint: „Am Anfang war ich gegen ein gemeinsames Motto, mittlerweile bin ich Fan dieser Ausstellungen.“ Seine Reflektionen entlang seines Materials, die statt mit Malerei am „Bodensatz der Kunst“ beginnen, gehen mit getrockneten Farbresten auf Spurensuche und befragen erneut Linie, Fläche und Raum.

Einen fast hüfthohen Wall gerollter, geweißter Zeitung hat Sabine Schmitt aufgetürmt, unüberschaubare, gleichförmige „news“, die, so vielleicht ihre Kritik, keinen Blick zu klären vermögen. Helmut Boeders Bleistiftzeichnungen geben nur am unteren Bildrand einen Blick frei, womöglich unter einem Vorhang hindurch.

Häsin im Sommerkleid

Den schönen Titel Dörthe Gerkens „zwischen dir und deinem hemd“ löst ein ebendort abgenommenes, fragmentarisches Gipsobjekt ein. Leena Krüger erstaunt mit fast fotorealistischen Ausschnitten des Fells einer Häsin im Sommerkleid sowie eines Schneehasen vor dunklem Grund. Verlässlich und unbeirrbar sind die Pigmentbilder Erhard Josephs.

Ute Gruenwald dagegen sucht mit Monumentalität zu beeindrucken, beruft ein malerisches Oxymoron, eine Verbindung von Gegensätzlichem, arbeitet mit Kontrasten und hintergründigen Leuchteffekten, streicht Eichendorffsche Gedichtzeilen und will auf diese Weise eine Zeit und Welt befragen, die sie die unsere nennt.

Abgründig zeigen sich auch Hilke Diers mit leuchtenden Farben bemalte Seidentücher, die Kopftüchern gleich, an die Wand genagelte Gehörne verhüllen. Ein Hirschgeweih spreizt die Arme oder Schenkel: „Komm’ zu mir!“. Anneli Kuismanen zeigt die Fotografie eines vermauerten Gitterfensters, Lilly Stehling bemüht sich in allzu direkter Auseinandersetzung, mit Durchblicken durch mehrschichtige Werke aus hintermaltem Glas, Papier und Grund verschiedene Blickebenen zu zeigen.
Hinter überaus ornamentalen Rosenranken, wiederholt gerahmt, verliert sich die oft so archaisch anmutende Poesie der Materialcollagen Konrad Mätzigs einem süßlichen Dornröschenschlaf zuliebe. Als säße man im Innern eines Strauches wirken die Aquarelle Irene Pregizers, der freie Blick bleibt ebenso verwehrt wie verborgen.

In weiten Teilen ist es mit dieser Ausstellung ebenso, geschützt im Göttinger angestammten Kunstraum, weist in schlichten Metaphern nur wenig darüber hinaus.

Bis zum 27. Dezember im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonnabends und Sonntags von 11 bis 13 Uhr zu sehen.

Von Tina Lüers

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