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Gestörte Vertrauensbasis als Kündigungsgrund

Deutsches Theater Göttingen Gestörte Vertrauensbasis als Kündigungsgrund

Es knirscht mächtig im Getriebe des Deutschen Theaters Göttingen. Eine Reihe von Schauspielern hat das Theater nach der vergangenen Spielzeit verlassen, weitere werden im nächsten Sommer folgen, heißt es aus Theaterkreisen.

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Probleme im Deutschen Theater: Viele Künstler haben gekündigt.

Quelle: Pförtner

So auch eine der Stützen des Hauses, der musikalische Leiter Hans Kaul, der gerade noch ausgesprochen erfolgreich mit dem Intendanten Mark Zurmühle in der Produktion „Der Mann in Schwarz. Das Leben und die Lieder von Johnny Cash“ zusammenarbeitete. Kaul war an vielen Inszenierungen beteiligt, die als Musikproduktionen wie beispielsweise „Comedian Harmonists“ für ein volles Haus sorgten.

In einem Schreiben, das dem Tageblatt vorliegt, kündigt er sein Arbeitsverhältnis mit einer bemerkenswert deutlichen Begründung: „Die für eine erfolgreiche und kreative Tätigkeit unerlässliche Vertrauensbasis der Theaterleitung in meine künstlerische und handwerkliche Kompetenz ist nicht mehr vorhanden. Die Integrität meiner Person wird bezweifelt. Eine Anerkennung findet nicht statt.“ Er sehe sich „schweren Herzens veranlasst,“ seine langjährige Tätigkeit zu beenden.

Für Kaul muss dieser Schritt tatsächlich schwer gewesen sein. Da er 15 Spielzeiten am Deutschen Theater gearbeitet hat, wäre er demnächst unkündbar. Auf Tageblatt-Anfrage wollte Kaul sich nicht zu seiner Kündigung äußern. Für ihn sei der Vorgang ein interner, „ich möchte dazu nicht Stellung beziehen“.

Schwierigkeiten, so heißt es, gab es auch bei den Proben zu der „Dreigroschenoper“. Eine Schauspielerin soll nach zwei Tagen Krankheit lapidar von Intendant Zurmühle, der Regie führte, über ihre Umbesetzung informiert worden sein. Zurmühle war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Neben Kaul hat auch Chefdramaturgin Barbara Wendland Göttingen bereits den Rücken gekehrt. Sie folgt ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Tilman Gersch, der Oberspielleiter am Hessischen Theater Wiesbaden geworden ist. Auch Sybille Weiser wechselt nach vier Spielzeiten am DT in die Hessische Landeshauptstadt – ein übliches Vorgehen für junge Schauspieler. Gekündigt hat auch Julia Hansen zum Ende der vergangenen Spielzeit – unter Protest gegen die Theaterleitung, wie von Theaterkollegen zu hören war.

Schauspieler Jan Pröhl hat das DT nach elf Jahren verlassen. Er ist ans Schauspiel Essen gegangen – genau wie Ingrid Domann. Roland Bonjour bleibt als Gast, spielt aber auch in Potsdam. Daniel Sellier taucht ebenfalls noch als Gast auf der DT-Liste auf. Er sagt: „Ich habe nicht gekündigt, sondern ich habe nicht verlängert.“ Inklusive seines Engagements am Jungen Theater sei er fünfeinhalb Jahre in Göttingen gewesen. „Genug“, meint er, „ich versuche mein Glück jetzt in Berlin.“

Nicht einvernehmlich beendet wurde auch die Engagements von Christoph Huber, der am DT für das Kinder- und Jugendtheater zuständig war, und dem Dramaturgen Stefan Dehler im Jahr 2008. Schon damals wurde von Auseinandersetzungen gesprochen. Heute haben sie ihre eigene Theatergruppe, die „Stillen Hunde“.

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Deutsches Theater

Dass der musikalische Leiter eines Theaters kündigt, ist nicht unüblich. Arbeit an einem Theater fordert hohe Flexibilität. Auch suchen Schauspieler immer wieder neue Herausforderungen, ein normaler Vorgang.

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