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Glamouröse Diva mit samtiger Stimme

"Chicago Blues" Glamouröse Diva mit samtiger Stimme

Von den Billardtischen, die sonst in der Halle stehen, fehlt jede Spur. Der Monroes Park in Göttingen wandelt sich zu einem dieser dunklen Jazzclubs mit viel freier Fläche: Gut so, sonst wäre es für die gut 200 Besucher am Freitag reichlich eng geworden. Das Interesse der zahlreichen Gäste gilt Jeanne Carroll, einer der wenigen Stimmen, die sowohl in der Jazz-, Blues-, Gospel- als auch Popszene, heimisch ist.

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Vielseitig: Jeanne Carroll ist in der Jazz-, Blues-, Gospel- und Popszene zu Hause.

Quelle: Pförtner

Zu Hause ist die erste Frau des Chicago Blues, die 1946 von ihrer Heimat Ruleville/Mississippi in die damalige Blues-Metropole Chicago zog, vor allem auf der Bühne. Seit 1988 in Deutschland lebend, blickt die 78-jährige Sängerin auf 50 Jahre professionelle Bühnenerfahrung zurück. Umso erstaunlicher, dass Carroll nur ein scheues „Hallo“ über die vollen Lippen huscht, als sie sich dem wartenden Publikum endlich präsentiert.

Das Quartett „Blue Heat“ um Peter Pelzner (Gitarre/Gesang), Stephan Greisinger (Saxophon), Thomas Hübner (Hammond Orgel) und Güven Sevencli (Schlagzeug) sorgen bis dahin für ein Wohlfühlatmosphäre. So hat es sich der Veranstalter, das Anzeigenblatt „Blick“, das mit diesem Konzert sein 40jähriges Bestehen feiert, wohl vorgestellt: viel Publikum und angeregte Gespräche. Bei dem einen oder anderen Bier lässt man die anstrengende Woche hinter sich.

Dann das Glanzlicht: Soul-Lady Carroll, ganz in Schwarz, tastet sich mit katzenartigen Bewegungen vor. Mit ihrer wilden Afro-Mähne ist sie trotz ihres Alters eine glamouröse Diva. Als ihre samtige, kräftige und wunderschöne Stimme ertönt, wird verständlich, dass sie in der Vergangenheit bereits Konzerte mit Größen wie Duke Ellington gegeben hat.

Leuchtender Star

Auch die Zusammenarbeit mit den weniger prominenten „Blue Heat“, die im Übrigen bereits seit den frühen 1990ern andauert, klappt an diesem Abend hervorragend. Carroll ist der leuchtende Star, das Quartett spannt einen einfühlsamen und doch energiegeladenen Sound um ihre alles überragende Stimme. Zusammen schöpfen sie aus einem vielseitigen Repertoire und spielen immerhin drei Stunden lang. Das Publikum, das erst nach einigen Zugaben zu den Mänteln greift, hat die fehlenden Billardtische sicherlich kaum vermisst.

Von Katharina Bednarz

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