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Glitzer, Glanz und Party

Staatstheater Kassel Glitzer, Glanz und Party

Mit Truman Capotes „Frühstück bei Tiffany“ hat das Staatstheater Kassel den Filmklassiker von 1961 auf die Bühne des Schauspielhauses – in einer sehr abstrusen und sehr amüsanten Version gebracht. Regie führte Anna Bergmann.

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Holly Golightly (Michaela Klamminger) und die mysteriösen Männer.         

Quelle: Klinger

Kassel. 1944 ist das Jahr in dem die Novelle von Capotes spielt, und die Welt liegt in Schutt und Asche. Nicht so die Welt von Holly Golightly, einer jungen Frau, deren Leben nur aus Glitzer, Glanz und Party zu bestehen scheint. Dass sie eher leichtfüßig durchs Leben geht, verrät nicht zuletzt ihr Nachname, aber so richtig wohl fühlt sie sich nur bei Tiffany’s, einem New Yorker Juweliergeschäft.

Vorstellungen

Die nächsten Vorstellungen von „Frühstück bei Tiffany“ im Schauspielhaus des Staatstheaters Kassel, Du-Ry-Straße: 31. Dezember um 15 Uhr und um 19.30 Uhr sowie am 18., 20., 24. und 26. Januar um 19.30 Uhr. Kartentelefon: 05 61 / 10 94 222.

Hollys Geschichte wird von einem wilden Haufen stilvoll gekleideter Männer erzählt, die gegenseitig ihre Sätze beenden und über die in lilafarbenes Licht getauchte Bühne tänzeln (Licht: Brigitta Hüttmann). Darunter ein Mann, Fred, wie sie ihn tauft, der von ihrer Exzentrik sofort fasziniert ist. Auf rotierender Bühne fährt Holly herein, mal auf einem überdimensionalen Lippenstift sitzend, mal auf einem riesigen Schuh oder sich auf einer Tasche räkelnd (Bühne: Florian Etti). Doch immer wieder taucht sie unter. Bis schließlich ihr Ehemann in die Stadt kommt, und ihre wahre Geschichte kommt ans Licht. Denn hinter der glitzernden Fassade von Holly, grandios gespielt von Michaela Klamminger, sieht es ziemlich düster aus: nach verkorkster Kindheit wurde sie bereits mit 14 Jahren verheiratet, sie steht im Verdacht, für einen Mafia-Boss gearbeitet zu haben, und sie lebt vom Geld ihrer reichen Geliebten.

Das Publikum wird visuell eingesogen in einen Strudel aus Gesang einerseits, schnellen Dialogen andererseits und einem Mann mit Katzenkopf, der über die Köpfe der Zuschauer klettert und mit einem Ball wirft. Aus den Herzbrillen betrachtet, die bei Eintritt verteilt wurden, verwandelt sich die Glitzerwelt in ein Meer aus bunten Herzchen.

Neben irrsinnig komischen Tanzperformances, in denen die edlen Herren in bunte Perücken und lange Kleider schlüpfen, und dem Komödien-Charakter, dem das Stück anhaftet, kommt allerdings auch eine moralische Botschaft hervor, die im Film eher im Dunklen bleibt. „Liebe sollte erlaubt sein“, sagt Holly. „Jeder Mensch sollte einen Mann oder eine Frau heiraten können“ und spricht damit ein Thema an, das auch 2016 noch von großer Aktualität ist: Die Rechte von Homosexuellen.

Eine wunderbar komische Inszenierung, die genau so ist, wie die Hauptfigur selbst: überdreht, amüsant – und voller Glitzer.

Von Tomke Aljets

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