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Regional Liebe auf dem Plastikteller
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12:25 26.09.2016
Scheint der Welt nicht gewachsen zu sein: Köchin Constant (Caroline Dietrich, r.). Quelle: Klinger
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Kassel

Über den schlichten Vierer-Sitzgruppen wirkt die hohe Decke mit den Oberlichtern kalt und steril,es ist  die anonyme Ausstattung einer Schulkantine. Hier arbeitet Constant, gespielt von Caroline Dietrich, mit langer weißer Schürze und einer Obsession für nahrhafte Mahlzeiten. Und hier trifft sie die unterschiedlichsten Persönlichkeiten, den überarbeiteten Mathelehrer oder die liebeskranke Schülerin Sylvia, die ein offenes Ohr suchen.

In dem Bestreben, jedem zu helfen, der ihren Weg kreuzt, ist Constant ein Quell der Hoffnung und Lebensfreude. „Ich habe das Gefühl, ich kann der Welt endlich etwas hinzufügen!“, gesteht sie Sylvia aufgeregt. Trotzdem scheint sie dieser Welt nicht gewachsen zu sein. Den Schulleiter schlägt sie mit einem Tablett ins Koma, als er ihr die Kündigung überbringt. Sie sehnt sich nach Nähe und echter Intimität und lässt sich von Tom Collins, dem Mathelehrer, in seinem Wagen auf der Parkplatz des Einkaufszentrums schwängern.

Das Bühnenbild von Etienne Pluss begleitet Constants Werdegang: Im Verlauf des Schauspiels wird die Decke mit jedem Ortswechsel ein Stück herabgesenkt, bis die Darsteller die Bühne nur noch auf allen Vieren betreten können. Constants Welt wird enger und enger, sie findet Anstellung in einem Schnellrestaurant, dann in einer psychiatrischen Klinik. Sie verliert ihre Jobs und schließlich auch ihre Tochter. „Ich wollte nur den Menschen helfen“, sagt sie, selbst hilflos. Der Satz wird zu ihrem eigenen verzweifelten Mantra.

Mit einer großzügigen Portion schwarzem Humor driftet die Handlung bei aller Tragik nie ins Weinerliche und lässt damit Raum für die Zweifel und echten Nöte der Charaktere. Die Darsteller springen gekonnt zwischen ihren Rollen hin und her, behalten aber bestimmte Verhaltensweisen. Bernd Hölscher gibt dem Schulleiter Mr. Donavan und später dem Psychiater dieselbe Angewohnheit - Gebrauchsgegenstände abzulecken - und sorgt damit für Gelächter.

Heiko Schnurpel und Jens Kilz haben das Stück mit minimalistischen Elektro-Rythmen ausgestattet, die mal mit dumpfen Beats, mal begleitet von gefühlvollem Gesang das Geschehen widerspiegeln. Auch die Choreographie (Victor Rottier) wirkt erfrischend unkonventionell. Christina Weiser legt als geistesgestörte Billie einen ekstatischen, haltlosen Tanz hin, der neben weiteren Szenen eine Tendenz zum Surrealen schafft.

Von Jana Probst

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