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Regional Lukas Bärfuss stellt „Koala“ im Literarischen Zentrum vor
Nachrichten Kultur Regional Lukas Bärfuss stellt „Koala“ im Literarischen Zentrum vor
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00:34 19.05.2014
Von Christiane Böhm
Schreibt über Verweigerung: Lukas Bärfuss. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Sein Bruder wollte nicht arbeiten, er hatte keine Familie, verließ nie die Kleinstadt, in der er und Bärfuss aufgewachsen waren. Er habe sich verweigert. Das Prinzip unserer Gesellschaft „Du sollst konsumieren“ habe der Bruder durchbrochen, so Bärfuss. 

Bei seiner Suche nach einem Grund für diese Haltung stößt er auf das Totem des Bruders, das dieser bei einem Initiationsritus der Pfadfinder bekommen hat: Koala. Hat der Name des australischen Beuteltiers – des Inbegriffs des Kuscheltiers und desjenigen, der niemanden stört – dazu beigetragen, dass sein Bruder so wurde? Der Grund für das Elend der Welt, so lässt er ihn im Roman sagen, könne im Ehrgeiz der Menschen liegen. Immer müsse man in einen Wettstreit treten, müsse kämpfen. Wenn der Bruder „jeder Ambition entsage...,  wen könnte er gegen sich aufbringen?“ 

Bärfuss liest lange aus seinem faszinierenden Buch – die Konzentration des Publikums lässt nicht eine Sekunde nach. Er liest von der letzten Begegnung mit seinem Bruder vor dessen Selbstmord, von dem Pfadfinder-Ritual und dem Nachdenken über den Sinn des Totems.

Der Roman macht nach diesem Teil eine scharfe Wendung hin zur Geschichte des Koalas und des australischen Kontinents. Ja, das sei „eine große Volte“ sagt Bärfuss, aber er bekäme viel Zuspruch von den Lesenden dafür. Australien sei für ihn eine Möglichkeit. Schon die antiken Schriftsteller hätte der Gedanke an eine Gegenwelt inspiriert. Terra australis, eine dritter Ort. Auch für unsere Lebensentwürfe: mitmachen im Hamsterrad des Kapitalismus, sich verweigern wie der Bruder oder eine dritte Möglichkeit. Für ihn sei das das Schreiben.

Lukas Bärfuss, Koala, Wallstein Verlag Göttingen 2014. 19,90 Euro.

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