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Duo oder Trio für vier Musiker

Aulakonzert in Göttingen Duo oder Trio für vier Musiker

Das zweite Aulakonzert hatte ein interessantes Konzept: Mit der Violinistin Franziska Hölscher, dem Klarinettisten Andreas Ottensamer (Foto), dem Cellisten Stephan Koncz und dem Pianisten Severin von Eckardstein gruppierten sich vier Musiker in Trios oder als Duo.

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Andreas Ottensamer.

Quelle: r

Göttingen. Plötzlich stand das Werk von Brahms ganz am Anfang des Konzertabends. Spontan hatten die Musiker die Programm-Reihenfolge geändert: Sie wollten den gemeinsamen Bezug von Brahms und Bartók zu Ungarn hervorheben. So begann das 2. Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft am Sonntag mit dem Komponisten, dem die Saison unter „Geliebter Brahms“ gewidmet war – und zugleich mit einer interpretatorischen Glanzleistung.

Der Abend hatte ein interessantes Konzept: Mit der Violinistin Franziska Hölscher, dem Klarinettisten Andreas Ottensamer, dem Cellisten Stephan Koncz und dem Pianisten Severin von Eckardstein waren vier Musiker beziehungsweise Solisten geladen, die aber nie als Quartett zusammenspielten. Stattdessen gruppierten sie sich in Trios und als Duo – mit abwechslungsreichen Klangbildern.

Berührende Interpretation

Johannes Brahms (1833-1897) Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello op. 114 gehen Ottensamer, Koncz und von Eckardstein wohltuend getragen und sehr beseelt an. Klarinettist und Cellist werfen sich die vielen schönen Melodien und Variationen mit warmen Klangfarben gegenseitig zu. Die Töne des Pianisten leuchten darüber hell wie Sonnenstrahlen. Dabei geben die Musiker diesem Spätwerk des Hochromantikers eine sehr große Tiefe. Ihre emotional berührende Interpretation entreißt die Komposition seiner stilistischen Epoche und erhebt sie zu einem zeitlos schönen Werk für die Ewigkeit. Ein sehr starker Konzertauftakt, den das Publikum mit Bravo-Rufen und stürmischem Applaus würdigt.

Dem durch die „Ungarischen Tänze“ berühmt gewordenen Brahms folgt ein Werk des geborenen Ungarn Béla Bartók (1881-1945): Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier aus dem Jahr 1938. Hölscher, Ottensamer und von Eckardstein gehen das Werk spannungsgeladen und mit nötiger Schärfe an. Die kontrastreichen Sätze wechseln zwischen abstrakt, meditativ und folkloristisch. Präzise und hochvirtuos meistert das Trio den anspruchsvollen finalen Satz.

Wie zwei Verliebte

Eine willkommene Entdeckung war die Sonatine für Violine und Violoncello von Arthur Honegger (1892-1955). Das Spiel von Hölscher und Koncz ist hier ein Zwiegespräch. Die Klänge von Violine und Cello umschlingen und umspielen sich wie zwei Verliebte: liebevoll, stürmisch, leidenschaftlich.

Der Abschluss des Konzerts mit dem Klaviertrio op. 70 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) schließt einen Bogen zum Anfang: Immerhin hatte Beethoven großen Einfluss auf das Œuvre von Brahms. Violinistin, Cellist und Pianist loten das Werk zwischen verträumten und aufwühlenden Momenten aus, steigern es zu einem pointierten Finale, verlieren aber auch etwas den Blick für das Ganze. Cellist Stephan Koncz fällt – wie schon den ganzen Abend – durch seinen kräftigen Ton und tiefe Emotionalität auf.

Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus für einen besonders vielseitigen Abend voller Klangfarben, Entdeckungen und großer Momente.

Das nächste Aulakonzert findet am Sonntag, 19. November 2017 ab 19.45 Uhr statt. Dann gastieren das Pavel Haas Quartett mit dem Pianisten Boris Giltburg.

Von Udo Hinz

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