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Regional Neue Akzente für Brahms-Werke von Carolin Widmann
Nachrichten Kultur Regional Neue Akzente für Brahms-Werke von Carolin Widmann
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00:19 28.09.2017
Carolin Widmann Quelle: r
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Göttingen

Hochkonzentriert, ernst und verinnerlicht ist der Gesichtsausdruck von Carolin Widmann. Er verrät, wie die Violinistin an die Musik herangeht: Sie fühlt sich beim Spiel so in die Werke hinein, dass sie diese sehr ausdrucksstark und mit tiefen Gefühlen interpretiert. Mit einer bewegenden Violinsonate von Johannes Brahms eröffnete die 41-Jährige am Sonntag die neue Saison der Aulakonzerte der Göttinger Kammermusikgesellschaft, die unter dem Thema „Geliebter Brahms“ steht. Das Spannende: Zusammen mit dem Pianisten Alexander Lonquich setzte sie bei den gespielten Werken neue Akzente.

Carolin Widmanns große Musikalität und interpretatorische Eigenständigkeit hört man vom ersten Ton. Bei der Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78 von Johannes Brahms (1833-1897) spürt sie mit warmem Ton auf der Violine den gesanglich schönen Melodien nach, lässt sie atmen und duften. Aber sie schafft es auch innerhalb weniger Takte von einer verträumten Stimmung in einen dramatischen Duktus zu wechseln.

Mit Mut zu lauten Tönen

Nahezu blind versteht sich die Münchner Violinistin mit Alexander Lonquich. Der Pianist ist an diesem Abend weit mehr als „nur“ ein Begleiter – er ist vielmehr gleichberechtigter Duo-Partner. Selbstbewusst und mit dem Mut zu lauten Tönen, rückt er die kompositorisch ansprechenden Klaviersätze ins richtige Licht. So wirkt die Musik plötzlich etwas wuchtiger, ausdrucksstärker aber auch ungewohnt frisch.

Nach der sehr emotionalen Brahms-Sonate ist das Duo bei Leoš Janáčeks (1854-1928) Sonate für Violine und Klavier wie verwandelt: Das „impressionistisch“ anmutende Werk gehen sie scharfem Ton und stakkatohaftem Spiel an. Sie reizen den Spannungsbogen zwischen ganz zarten und kräftigen Momenten aus.

Spiel auf klanglicher Augenhöhe

Nach der Pause zeigen sich Carolin Widmann und Alexander Lonquich erneut von einer anderen Seite: Mit großer Geste spielen sie die Sonate Es-Dur op. 18 von Richard Strauss (1864-1949). Gerade hier macht das Spiel der beiden Musiker auf klanglicher Augenhöhe die verschiedenen Ebenen im Werk deutlich. Das „gesanglich“ verträumte Spiel der Violine kontrastiert der Pianist mit aufrüttelndem Spiel auf dem Flügel. Gemeinsam steigern sie das Werk im dritten Satz auf einen atemberaubenden Höhepunkt hin.

Im stürmischen Schlussapplaus löst sich auch der hochkonzentrierte Gesichtsausdruck von Carolin Widmann – da weichen die ernsten Gesichtszüge einem glücklichen Lachen.

Das nächste Aulakonzert findet am Sonntag, 22. Oktober, ab 19.45 Uhr statt. Dann gastieren die Violinistin Franziska Hölscher, der Klarinettist Andreas Ottensamer, der Cellist Stephan Koncz sowie die Pianistin Severin von Eckardstein.

Von Udo Hinz

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