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Göttinger Barockorchester spielt die vier Suiten von Bach

Strahlende Klangpracht Göttinger Barockorchester spielt die vier Suiten von Bach

Die vier Orchestersuiten Bachs hört man nicht alle Tage in einem einzigen Konzert. Am Dienstag präsentierte das Göttinger Barockorchester diese prachtvolle Musik in der gut besuchten Nikolaikirche. Zugunsten ihres eigenen Fördervereins hatten sie auf ihre Gage verzichtet.

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Luftig-präsenter Klang: Das Göttinger Barockorchester unter der Leitung von Antonius Adamske.

Quelle: Michael Schäfer

Göttingen. In die Leitung des Konzerts teilten sich Hans-Henning Vater, Gründer und Konzertmeister des Orchesters, und Antonius Adamske. Vater gab die Einsätze mit seiner Geige, Adamske vom Cembalo aus. Beiden ging es gleichermaßen um tänzerische Elastizität, um Lebendigkeit, um Natürlichkeit im musikalischen Dialog der Instrumentengruppen. Historische Spielweise ist das Fundament dieses Orchesters, nirgends also gibt es Pathos oder unangemessene Sentimentalität, sondern einen stets luftig-präsenten Klang, der in diesem Kirchenraum von einem sanften Nachhall umschmeichelt wurde.

Die D-Dur-Suite BWV 1068 mit dem populärsten Satz all dieser Stücke überhaupt, dem Air, stand am Anfang. Sie vereint festlich-prunkvollen Glanz mit inniger Sanglichkeit und beweglicher Anmut. Dafür sorgte Adamske mit viel Umsicht, ebenso für dynamische Nuancen und einen energisch nach vorn weisenden Zug in den raschen Sätzen. Ähnlich populär ist die h-Moll-Suite BWV 1067 dank ihres flinken Finales, der Badinerie. Diese Suite – souverän angeführt von Konzertmeister Vater – bestach durch die in Charakter und Bewegung kontrastierenden Tanzsätze von der gravitätischen Sarabande über das graziöse Menuett bis hin zur munter eilenden Badinerie. Hier konnte besonders Britta Hauenschild als Solistin auf der Traversflöte mit ihrem wunderschön warmen Ton und ihrer ganz uneitlen Virtuosität das Publikum bezaubern.

Die weniger bekannten Suiten bildeten die zweite Hälfte des Abends. In der C-Dur-Suite BWV 1066 steht dem Tutti ein Solo-Trio der Holzbläser gegenüber. Beide treten in Dialoge und gehen dabei ausgesprochen kultiviert miteinander um: Man lässt in dieser Musik den Partner höflicherweise ausreden, bevor man selbst den Gesprächsfaden wieder aufnimmt. Einer solchen Konversation lauscht man gern, besonders dann, wenn sie in einer derart feinen musikalischen Sprache geführt wird. Sehr farbig war der von Hans-Henning Vater betreute Orchesterklang, die Instrumentalisten spielten ihren anspruchsvollen Part virtuos und transparent.

Im Finale mit der D-Dur-Suite BWV 1069 übernahm wieder Antonius Adamske die Führung am Cembalo. Diese Suite bietet besonders viele klangfarbliche Kontraste und am Ende in der Réjouissance noch einmal jene von strahlenden Trompetentönen überglänzte barocke Pracht, die schon die einleitende Suite bestimmt hatte. Doch das war nicht allein der Grund für den enthusiastischen Schlussapplaus, denn der Abend war durchweg ein Hochgenuss. Zum Dank gab es die Réjouissance ein zweites Mal.

Info Die jüngste CD des Göttinger Barockorchesters enthält eine Gesamtaufnahme der drei Bass-Solokantaten von J. S. Bach (BWV 56, 82 und 158). Solist ist Henryk Böhm, Dirigent Antonius Adamske (Coviello Classics 91704).

Von Michael Schäfer

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