Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Sprühregen

Navigation:
Göttinger Figurentheatertage: „Hannes und Paul“ auf Bühne in Geismar

Tragikomödie Göttinger Figurentheatertage: „Hannes und Paul“ auf Bühne in Geismar

Weiße Tische vor einer cremefarbenen Wand zieren die Bühne der ausverkauften Kleinkunstbühne in Geismar, die Kulisse für die ergreifende Tragikomödie „Hannes und Paul“, die von der verbotenen Liebe zweier Jungen zur Zeit des Nationalsozialismus erzählt – eine beeindruckende Ein-Frau-Show.

Voriger Artikel
Musik und Möbeln: Kulturprogramm im Second-Hand-Laden KIM
Nächster Artikel
Premiere des Stücks „Jesus von Texas“ im Theater im OP

Auf der Bühne allein mit ihren Puppen: Elke Schmidt als Hilde Schumann beim Spiel mit ihrem tyrannischen Mann.

Quelle: Heller

Göttingen. „Dafür ist dein Vater nicht gestorben – dafür nicht!“, schreit die sonst duldsame Hilde Schumann ihren Sohn Hannes an, als sie erfährt, dass er ein „Urning“, ein Homosexueller, ist. Zur Zeit des Nationalsozialismus für folgsame Deutsche wie sie ein unvorstellbares Verbrechen – und ein Todesurteil. Elke Schmidt vom Seifenblasen-Figurentheater spielt Hilde Schumann, eine untergebene, gehorsame Ehefrau, die versucht den Alltag in Ordnung zu halten.

Mit scheinbarer Leichtigkeit bewegt und spricht Schmidt zudem alle drei aufwendig gearbeiteten, düster dreinschauenden Puppen: den tyrannischen Vater – eine lebensgroße, beinlose Figur in Uniform, mit einem bösartig funkelnden und einem hohlen schwarzen Auge –, und die zwei kleinen Holzfiguren Hannes und Paul, die mit ihrer Handpuppengröße und den dunklen Knopfaugen winzig und verloren wirken.

Sage „Pyramus und Thisbe“

Die Geschichte ist angelehnt an die Sage „Pyramus und Thisbe“, ein babylonisches Liebespaar, welche Hannes und Paul im Lateinunterreicht spielen sollen und dabei erkennen, dass sie mehr als nur Freundschaft füreinander empfinden. Nur heimlich können sie ihre Liebe ausleben – erst recht als sie erfahren, dass ihr Lateinlehrer, selbst ein „Urning“, abgeholt wurde. Was passiert nun mit ihm? „KZ oder Spritze – von mir aus auch beides“, erklärt Hannes’ Vater – der bald darauf für sein Vaterland im Krieg fällt – hasserfüllt. Die Geschichte dieser verbotenen Liebe endet wie die Sage tragisch.

Originelle Requisiten

Das Figurentheaterstück unter der Textregie des „Seifenblasen“-Kollegen Christian Schweiger und der Figurenregie des australischen Puppenspielers Neville Tranter, der für seine oftmals grotesken Stücke und seinen bitterbösen Humor bekannt ist, überzeugt. Originelle Requisiten – eine Schublade wird zum Kinderzimmer – und gut angebrachte Pointen sorgen trotz des ernsten Themas für einige Lacher. Der überwältigende Applaus belohnt dies – gebührt aber vor allem Elke Schmidt und ihrer spielerischen Leistung. 

Die 28. Göttinger Figurentheatertage laufen noch bis Sonntag, 24. Februar. figurentheatertage.goettingen.de

Von Noreen Hirschfeld

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Quaken und quieken

„Wer braucht noch eine Sitzschale? Sitzschale zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“, tönt es durch den Saal des Lumière. Die kleinen Gäste, die schon ganz unruhig zur Bühne schauen, sollen optimal sehen können, denn „Fünfter sein“ ist ein Stück für Kinder ab vier Jahren. Es handelt vom Warten und dass das für die Sprösslinge besonders schwer ist, wird auch im Tumult hier deutlich.

mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag