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Regional Göttinger Figurentheatertage: „Hannes und Paul“ auf Bühne in Geismar
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Figurentheatertage: „Hannes und Paul“ auf Bühne in Geismar
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00:17 22.02.2013
Auf der Bühne allein mit ihren Puppen: Elke Schmidt als Hilde Schumann beim Spiel mit ihrem tyrannischen Mann. Quelle: Heller
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Göttingen

„Dafür ist dein Vater nicht gestorben – dafür nicht!“, schreit die sonst duldsame Hilde Schumann ihren Sohn Hannes an, als sie erfährt, dass er ein „Urning“, ein Homosexueller, ist. Zur Zeit des Nationalsozialismus für folgsame Deutsche wie sie ein unvorstellbares Verbrechen – und ein Todesurteil. Elke Schmidt vom Seifenblasen-Figurentheater spielt Hilde Schumann, eine untergebene, gehorsame Ehefrau, die versucht den Alltag in Ordnung zu halten.

Mit scheinbarer Leichtigkeit bewegt und spricht Schmidt zudem alle drei aufwendig gearbeiteten, düster dreinschauenden Puppen: den tyrannischen Vater – eine lebensgroße, beinlose Figur in Uniform, mit einem bösartig funkelnden und einem hohlen schwarzen Auge –, und die zwei kleinen Holzfiguren Hannes und Paul, die mit ihrer Handpuppengröße und den dunklen Knopfaugen winzig und verloren wirken.

Sage „Pyramus und Thisbe“

Die Geschichte ist angelehnt an die Sage „Pyramus und Thisbe“, ein babylonisches Liebespaar, welche Hannes und Paul im Lateinunterreicht spielen sollen und dabei erkennen, dass sie mehr als nur Freundschaft füreinander empfinden. Nur heimlich können sie ihre Liebe ausleben – erst recht als sie erfahren, dass ihr Lateinlehrer, selbst ein „Urning“, abgeholt wurde. Was passiert nun mit ihm? „KZ oder Spritze – von mir aus auch beides“, erklärt Hannes’ Vater – der bald darauf für sein Vaterland im Krieg fällt – hasserfüllt. Die Geschichte dieser verbotenen Liebe endet wie die Sage tragisch.

Originelle Requisiten

Das Figurentheaterstück unter der Textregie des „Seifenblasen“-Kollegen Christian Schweiger und der Figurenregie des australischen Puppenspielers Neville Tranter, der für seine oftmals grotesken Stücke und seinen bitterbösen Humor bekannt ist, überzeugt. Originelle Requisiten – eine Schublade wird zum Kinderzimmer – und gut angebrachte Pointen sorgen trotz des ernsten Themas für einige Lacher. Der überwältigende Applaus belohnt dies – gebührt aber vor allem Elke Schmidt und ihrer spielerischen Leistung. 

Die 28. Göttinger Figurentheatertage laufen noch bis Sonntag, 24. Februar. figurentheatertage.goettingen.de

Von Noreen Hirschfeld

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