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Regional Christ Church Cathedral Choir in Duderstadt
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13:36 21.05.2018
Sorgte für machtvolle Klänge: der Christ Church Cathedral Choir in der Duderstädter Basilika St. Cyriakus. Quelle: Michael Schäfer
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Duderstadt

Der Schwerpunkt des Programms lag auf der Musik vor Händel. Im ersten Konzertteil waren fünf Sätze der vierstimmigen Messe von William Byrd (1543-1623) zu hören – es fehlte lediglich das Credo –, dazu drei Vokalsätze von John Shepherd (1515-1558) und als instrumentales Intermezzo das E-Dur-Orgelpräludium von Dieterich Buxtehude. Musik von Henry Purcell (1659-1695) – teils a cappella, teils orgelbegleitet – und drei Chorsätze von Georg Friedrich Händel bildeten den zweiten Teil, dazu der Psalm 24 von Anthony van Noordt (1619-1675) als Orgelsolo.

Darlington: „Leidenschaft für Musik des 16. Jahrhunderts“

Musik des 16. und 17. Jahrhunderts ist hierzulande nicht besonders häufig zu hören, sie gilt vielfach als sperrig, als zeitlich allzu fern von uns. Wie lebendig aber diese Werke klingen können, führten die 28 Choristen auf faszinierende Weise vor. „Zu meinen Leidenschaften gehört vor allem die geistliche Chormusik des 16. Jahrhunderts“, hatte Darlington im Tageblatt-Interview im März geäußert. Diese Leidenschaft war durchweg spürbar – und wirkte enorm ansteckend auf die Zuhörer.

Gerade mal zwölf Männerstimmen gehören zu diesem Chor, Sopran und Alt sind 16 Knabenstimmen anvertraut. Aber dünn ist der Chorklang überhaupt nicht, im Gegenteil. Diese Stimmen sind in der Lage, den gesamten Kirchenraum mit machtvollen Klängen zu füllen, ohne dass irgendein Sänger Zeichen von Anstrengung zeigt. Darlington ist nicht nur ein präziser Dirigent, der mit sparsamen Gesten seine musikalischen Vorstellungen sehr genau artikuliert, er sorgt auch für die gesangliche Professionalität seiner Schützlinge, für ihre Intonationssicherheit, für eine ausgefeilte Artikulation und die Ausgewogenheit der Stimmgruppen.

Weitgespannte Melismen

Der Dirigent, der im September den Chor seinem Nachfolger Stephen Grahl übergibt, ließ in dem breiten Klangstrom der weitgespannten Melismen des homogenen Gesamtklangs immer wieder einzelne Stimmgruppen aufblühen, die dann hervorleuchteten, um dann anderen Stimmen zuliebe wieder in den Hintergrund zu treten. Das gilt für die aufregend kühnen Shepherd-Sätze, die bisweilen überraschende Dissonanzen enthalten, wie für die edlen Messsätze von Byrd.

Für diese A-cappella-Sätze hatte sich der Chor im Chorraum aufgestellt. In der zweiten Konzerthälfte zog er auf die Orgelempore um. Das veränderte den Klang, die Soprane klangen ein wenig schärfer, die Homogenität war etwas geringer. Doch konnten die Purcell-Sätze dennoch ihren subtilen Reiz in voller Schönheit entfalten. Händels Stücke – zwei Sätze aus dem Foundling Hospital Anthem HWV 268, eines davon ein Solo, ausdrucksstark gesungen von Michael Ash, einem Altus-Sänger des Chors, und das klangmächtige Anthem „Zadok the priest“ HWV 258 – wirkten in diesem Kontext bemerkenswert modern. Die beiden Organisten Clive Driskill-Smith und Makoto James nutzten die reichen Möglichkeiten der Creutzburg-Orgel sehr professionell.

Die Zuhörer ließen sich nachhaltig bezaubern von diesen wunderbaren Klängen und spendeten den Gästen aus Oxford lang anhaltenden Beifall im Stehen. Darlington und der Christ Church Cathedral Choir bedankten sich mit einem ergreifenden Ave Maria von Robert Parsons – zu Füßen der barocken Skulptur der Gottesmutter.

Von Michael Schäfer

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