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Regional Glaubensbekenntnis an die Musik
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13:42 22.05.2017
Hélène Schmitt Quelle: Schäfer
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Göttingen

Der Rosenkranz ist eine Gebetskette, die in der katholischen Kirche weit verbreitet ist. Die Rosenkranz-Sonaten tragen Titel wie „Die Verkündigung“, „Die Kreuzigung“ oder „Himmelfahrt Mariae“. Doch bilden sie diese Geschichten nicht ab. Sie sind „eine Art Glaubensbekenntnis an die Musik“, wie Schmitt treffend schreibt: „Die Sinnlichkeit und Freude an der Geige, ganz ihrem sprühenden Klang hingegeben, quellen aus den Seiten der Rosenkranz-Sonaten heraus.“

Diese Einsicht vertritt Schmitt nicht nur theoretisch, sondern ganz vehement mit ihrem geigerischen Stil. Ihre Art und Weise, sich dieser hochbarocken Musik zu nähern, ist durchdrungen vom unbändiger Spielfreude, von der ansteckenden Gewalt des Rhythmus, von den perkussiven Möglichkeiten des Bogenstrichs, von der Lust am Ornament, am kostbar gekringelten Verzieren melodischer Linien. Das tut sie mit einem Temperament, das nur auf den ersten Blick nichts mit Mysterium und Gläubigkeit zu tun zu haben scheint. Die Musikerin versteckt keine Gefühle im Inneren, sondern trägt sie mit Freude nach außen. Wenn sich unter ihren Händen eine Violin-Chaconne in immer aberwitzigere Variationen steigert, dann ist es, als würde man von einer strömenden Flut mitgerissen. Bachs berühmte d-Moll-Chaconne ist eine späte Fortentwicklung dieses Stils.

Zwei Musiker standen der Solistin souverän zur Seite: der norwegische Lautenist Rolf Lislevand und der französische Organist und Cembalist François Guerrier. Beide hatten Gelegenheit, ihre Kunst solistische zu präsentieren, Guerrier in einer bewegenden Trauermusik („Lamentation“) aus Anlass des Todes von Kaiser Friedrich III., Lislevand in einer hochvirtuosen Passacaglia von Kapsberger.

Besonders spannend war die Zugabe für den begeisterten Applaus in der gut besuchten Aula, der zauberhafte Kopfsatz aus Georg Muffats einziger Violinsonate D-Dur. Ob Händel sie kannte, als er seine Arie „Ombra mai fù“ schrieb? Die Ähnlichkeiten sind frappierend.

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