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Kampf gegen den Kitsch

Göttinger Harald Wolff ist Vorsitzende der Dramaturgischen Gesellschaft Kampf gegen den Kitsch

„Das ist schon eine Ehre“, sagt Harald Wolff. Der Göttinger ist zum Vorsitzenden der Dramaturgischen Gesellschaft gewählt worden, dem Verband der Dramaturgen im deutschsprachigen Raum. In Göttingen hat Wolff in der freien Szene angefangen, nach einigen Theaterstationen arbeitet er jetzt frei.

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Quelle: NR

Göttingen. „Wir machen das Programm des Theaters“, sagt Harald Wolff. Dramaturgen überlegen, welche Geschichten erzählt werden müssen und grübeln über den Zugriff auf die Welt. Sie sind verantwortlich für alles, was das Theater gedruckt verlässt und legen die inhaltliche Setzung fest: Was verhandelt das Theater? Sie beraten darüber, welche Regisseure engagiert werden und welche Schauspieler. „Wir engagieren Künstler, die wir toll finden“, sagt Wolff. Das würden sie dann innerhalb des Hauses vermitteln. Als Dramaturg sind sie auch verantwortlich für einzelne Produktionen. Wolff: „Ich bin der erste Zuschauer, und ich will mich nicht langweilen.“ Doch er weiß auch: „Am Regisseur kommt man nicht vorbei.“ Und: „Das Ergebnis wird besser, wenn alle wissen, warum sie es tun.“ Entscheidend sei allerdings, dass am Ende des Tages die Schauspieler mit einer Inszenierung vor das Publikum treten müssten. „Sie müssen dazu stehen können.“

Theaterarbeit sei „ein permanentes Mangelding“, erklärt Wolff. Probenzeiten, Bühnenzeiten, Gagen, Werkstätten - alles sei immer knapp. Er wolle allerdings auf jeden Fall „lieber etwas wagen. Man darf keine Angst haben.“ Sein Job als Dramaturg erfordere es, Themen aufzugreifen und anzustoßen.

In seiner Anfangszeit in Göttingen hat Wolff genau das gemacht. Mit seinem Stück „Brandrodung - Gesang vom Ende von Huhtamaki“ hatte er im Jahr 2006 Premiere. 2005 hatte der internationale Konzern Huhtamaki die Schließung seiner Göttinger Niederlassung angekündigt und das Werk abgewickelt. 540 Beschäftigte verloren ihren Job. Wolff bearbeitet das Thema theatralisch. Dafür habe er richtig viel Förderung bekommen, erinnert sich Wolff. Es war eben ein politisches Thema.

Für eine Produktion des Schlosstheaters in Celle wurde Wolff engagiert, um zu recherchieren. Thema ist die Zeitung der Zukunft. Die Cellesche Zeitung wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. „Zeitung und Theater brauchen das gleiche Publikum“, sagt Wolff um umreißt eine der wichtigen Aufgaben beider Institutionen: Die Zivilgesellschaft schützen und voranbringen.

Als Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft ist er für zwei Jahre gewählt. Er schätzt die Einrichtung als „irre lebendigen Verband“. Er muss nun mit seinen Kollegen die nächste Tagung in Greifswald vorbereiten. Thema soll dann „Europa“ sein. Für Wolff sind „Theater Orte der Vielfalt“. Sie müsste verteidigt werden gegen Bestrebungen in Ländern wie Polen und Ungarn, wo „Theaterleute durch Linientreue ersetzt werden“. Wolff zitiert aus einem Presseartikel: „Je autoritärer der Staat wird, desto größer wird der Kitsch.“ Und: „Gegen den müssen wir kämpfen.“

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