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Regional Gesine Cukrowski über drei tolle Frauen
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18:01 30.05.2018
Gesine Cukrowski Künstler Kultursommer 2018 Quelle: r
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Göttingen

200 Jahre deutsche Geschichte entlang der Lebenslinien dreier Frauen: Texte von und über Bettine von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann stellt die literarische Revue „Drei Frauen aus Deutschland“ vor.

Mit dem Rezitationsabend von Martin Mühleis sind schon seit einiger Zeit jeweils drei Schauspielerinnen in unterschiedlicher Formation auf den Bühnen Deutschlands unterwegs. Am 11. August werden Gesine Cukrowski (Der letzte Zeuge), Karoline Eichhorn (Der Sandmann) und Teresa Harder (Klemperer – Ein Leben in Deutschland) beim Göttinger Kultursommer im Deutschen Theater die drei Frauen präsentieren.

Im Interview spricht Gesine Cukrowski über selbstbewusste Frauen, die wilde Erika Mann, Lampenfieber und den Austausch mit dem Publikum.

Was macht für Sie den besonderen Reiz dieses Abends aus?

Es sind drei wahnsinnig tolle Frauen, die wir da vorstellen. Sehr unterschiedlich, mit der Gemeinsamkeit, dass sie sich gegen die Hindernisse ihrer Zeit durchsetzen mussten. Man spürt Parallelen, auch wenn Erika Mann, Else Lasker-Schüler und Bettine von Arnim natürlich Frauen ihrer Zeit waren. Das Stück ist zudem eine tolle Mischung. Man wird unterhalten, lernt etwas kennen, fühlt sich bereichert. Und natürlich ist zum Beispiel die Lyrik von Lasker-Schüler auch wahnsinnig schön.

Spielen Sie immer dieselbe Frau oder wechselt das?

Das wechselt je nach der Besetzung. Meist bin ich Erika Mann, das wird auch in Göttingen so sein. Und das ist auch meine Lieblingskonstellation. Erika Mann ist eine spannende Person. Einerseits hat sie doch ein sehr verwöhntes Leben geführt. Wild, bourgeoise und selbstbewusst als Tochter von Thomas Mann. Sie hat dann aber andererseits einen tollen Weg gefunden und ihre Position genutzt für den Kampf gegen die Nationalsozialisten.

Ist ihnen eine der Frauen eher fremd oder unsympathisch?

Gar nicht. Ich bewundere sie alle sehr. Die Bettine von Arnim habe ich allerdings erst durch diesen Abend so richtig kennengelernt. In meinem Studium beispielsweise kam sie nur am Rande vor. Es ist stark, wie selbstbewusst diese Frau war. Ihre Haltung: Wieso soll ich meine Freiheit nicht leben?, ihr Mut auszubrechen, waren unerschütterlich. Auch nicht durch die Reaktionen ihrer Umgebung. Alle schämten sich für sie. Es ist bewundernswert, wie sie das bis zum Ende durchgehalten hat.

Ist so ein Gastspiel eher anstrengend oder anregend?

Ich mag es sehr, zu erfahren wie die Menschen an so vielen verschiedenen Orten auf diesen Abend reagieren.

Gibt es da typische Reaktionen?

Nein, das ist immer anders. Der Abend wird manchmal sehr nachdenklich aufgenommen, manchmal wird ganz viel gelacht. Manchmal denke ich auf der Bühne, was läuft hier gerade schief, wenn es so still ist und kaum eine Reaktion kommt. Aber es gibt diese Abende, wo die Leute kaum atmen, weil sie so konzentriert zuhören. Ich genieße diesen direkten Kontakt zum Publikum sehr.

Auch als Abwechslung zu der Arbeit für Film und Fernsehen?

Absolut. Der Kern unseres Berufes ist dieser Austausch. Man wird auf sich zurückgeworfen. Muss sich wieder mit der Frage auseinandersetzen, ist das richtig, was ich mache? Beim Film verändern häufig andere das Ergebnis, beispielsweise mit der Musik, die später hinterlegt wird. Beim Theater liegt es in der Hand des Künstlers.

Haben Sie Lampenfieber vor ihren Auftritten?

Bei Premieren ganz furchtbar, bei „Drei Frauen aus Deutschland“ nicht mehr so sehr. Wir drei Kolleginnen verstehen uns gut. Wir haben immer drei Garderoben und hocken dann doch in einer zusammen.

Sie sind sozial sehr engagiert. Haben sie ein neues Projekt?

Für die Welthungerhilfe unterstütze ich das Projekt „Eva“. Für die Mädchen und Frauen in Uganda ist die Menstruation ein Riesenproblem, eine Zeit voller Scham und Benachteiligung. Sie werden ausgeschlossen, müssen oft ihr Dorf für die Zeit verlassen. Schulmädchen können nicht am Unterricht teilnehmen und fehlen so im Schnitt fast drei Monate vor Jahr im Unterricht. Binden können sich die Frauen nicht leisten. Wir verteilen einfache Menstruationstassen, hygienische Silikongefäße, die für die Frauen eine große Erleichterung bringen. Dieses Projekt voranzutreiben liegt mir sehr am Herzen.

„Drei Frauen aus Deutschland“ am Sonnabend, 11. August, um 20 Uhr im Deutschen Theater. Karten für den Kultursommer gibt es bei den Geschäftsstellen des Göttinger Tageblatts, Weender Straße 44, und des Eichsfelder Tageblatts, Marktstraße 9 in Duderstadt, oder online unter tickets.goettinger-tageblatt.de.

Das vollständige Programm des Göttinger Kultursommers ist unter kultursommer.goettingen.de einsehbar.

Von Christiane Böhm

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