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Regional Göttinger Kunstverein zeigt Arbeiten von Paule Hammer
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Kunstverein zeigt Arbeiten von Paule Hammer
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20:58 09.09.2013
„Ich bin nicht Mister Oberschlau“: Paule Hammer. Quelle: Heller
Göttingen

Die Bilder gruppieren sich in zwei Arbeitszyklen. Für die Bilderreihe „Magazin“ lud sich Hammer Personen in sein Atelier ein, führte Gespräche und malte parallel. Ihre Sicht auf die Welt interessiere ihn dabei am meisten, erzählt der Künstler.

Wie Entscheidungen getroffen wurden, was Krisen in dem Menschen auslösen, wie schwere Zeiten überstanden wurden, fügt er hinzu. Hammer reizt die Veränderung: Was muss passieren, dass Menschen einen anderen Weg einschlagen, warum werden Lebensentwürfe über den Haufen geworfen, wann wird aus einer Wahrheit ein Trugbild?

Hammers Bilderreihe wagt sich tief in die Psyche der Porträtierten, gleitet aber nie ab in eine unangenehme Verletzung der Privatsphäre. Er verfremdet, entwickelt weiter, lässt seine Interviewpartner als Actionfigur oder in den Gesichtszügen des jungen Michael Jackson auftreten. „Manchmal gefallen sich die Leute nicht so gut“, gibt Hammer zu bedenken.

Sammeln und Ordnen

Seine Vorgehensweise sei aber ein offener Prozess, gemeinsam entwickelt und häufig kommentiert. Hammer sammelt interessante Aspekte aus den Interviews und entwirft daraus eigene Bilder. Zu jedem Gesprächspartner entsteht so eine eigene Sammlung, die in der Ausstellung in getrennten Räumen ihre Eigenständigkeit behaupten.

Die Idee, eine Bilderreihe herzustellen, die nur durch den Kontakt mit anderen Menschen entstehen kann, deutet Hammer auch als Reaktion auf sein vorangegangenes Projekt. Unter dem Stichwort „Weltenzyklopädie“ schafft Hammer Bilder, in denen es ums Sammeln und Ordnen geht.

Träume des Künstlers arrangiert er auf einer Weltkarte, sein „Beziehungsbild“ vereint seine persönlichen Kontakte zu einem bunten Netz. „Paule“ steht in der Mitte dieses Bildes – die Reihe folgt einem sehr persönlichen, sich selbst ins Zentrum setzenden Programm. „Ich bin hier nicht Mister Oberschlau, oder was“, kommentiert Hammer den Wunsch, mit der Magazin-Serie andere Personen stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

"Es ist auch ein bisschen lustig“

Mit „Krypta“ stellt Hammer seinem Beziehungsbild ein Pedant zu Seite, das Beziehungen zu nun Verstorbenen aufzeigt. Auf kleinen Konsolen liegen Totenschädel aus einem merkwürdigem Material: Kaugummi. Hammer lobt die Eigenschaften des Materials, seine Verarbeitungseigenschaften und die interessante Färbung.

„Naja, es ist auch ein bisschen lustig“, gibt Hammer zu. Den Scherz in einem Bild über den Tod zu verstecken, scheint typisch für Hammers Kunst: Gegensätzlichkeiten in Einklang zu bringen und Verbindungen zu schaffen gehören zu den Merkmalen seines Schaffens.

Von Daniela Lottmann

Die Ausstellung im Alten Rathaus, Markt 9, ist bis zum 20. Oktober dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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