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70 Lesungen in zwei Wochen

Göttinger Literaturherbst 2017 70 Lesungen in zwei Wochen

Der 26. Göttinger Literaturherbst hat vom 13. bis 22. Oktober 70 Veranstaltungen zu bieten. Das Programm, für das am Donnerstag, 3. August, der Vorverkauf beginnt, wurde am Mittwoch in Göttingen vorgestellt. Zu den Autoren zählen unter anderem Daniel Kehlmann, Arne Dahl und Marc-Uwe Kling.

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Quelle: Richter

Göttingen. Die "Känguru-Chroniken" haben den Schriftsteller Marc-Uwe Kling bekannt gemacht. Auch in Göttingen wurden seine Geschichten von einem anarchistischen Känguru auf die Theaterbühne gebracht: Seit dem Frühjahr läuft das Stück im Jungen Theater. Am Donnerstag, 12. Oktober, dem Vorabend des Festivalbeginns, wird Kling in der Göttinger Stadthalle aus seinem neuen Roman "QualityLand" lesen. Gesa Husemann vom Literarischen Zentrum Göttingen, das mit dem Literaturherbst zusammenarbeitet, stellte Klings Werk vor. Weitere zahlreiche namhafte Schriftsteller kommen zwischen dem 13. und 22. Oktober zu Lesungen nach Göttingen und in die Region.

"Herr-Lehmann"-Autor Sven Regener oder Florian Illies, der vor Jahren mit seinem Bestseller "Generation Golf" seinen literarischen Durchbruch hatte, sind dabei. Auch bekannte Persönlichkeiten, die normalerwerise nicht mit Literatur in Verbindung gebracht werden, wie Politiker Gregor Gysi von der Partei Die Linke oder Opernsänger Rolando Villazón, werden ihre Bücher vorstellen, kündigte Festival-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold an.

Mit insgesamt 70 Veranstaltungen werde der Literaturherbst 2017 die Größenordnung der vergangenen Jahre beibehalten, sagte Herberhold. Im vergangenen Jahr hätten etwa 15000 Gäste das größte Literaturfestival Niedersachsens besucht.

Als eine Besonderheit hob Herberhold den hohen Sachbuchanteil unter den vorgestellten Werken hervor. In etwa einem Drittel der Lesungen gehe es um Sachbücher. "Das ist einzigartig in Deutschland", sagte der Festivalleiter.

Außerdem wies er darauf hin, dass in diesem Jahr gut ein Dutzend Veranstaltungen außerhalb Göttingens angesetzt seien. Zu den Veranstaltungsorten in der Region gehören unter anderem die Cyriakus-Kirche in Duderstadt, das Welfenschloss in Hann. Münden und die Stadtbibliothek in Osterode. Der Festivalleiter betonte die Bedeutung des Literaturherbstes für die gesamte Region und verwies darauf, dass auch der Landschaftsverband Südniedersachsen zu den Förderern des Events zählt.

Stephan Lohr, ehemaliger Leiter der NDR-Literaturredaktion und Berater des Literaturherbstes, erklärte, dass auch in diesem Jahr nicht nur durch Autorenlesungen Akzente gesetzt werden sollen. So werde es anlässlich des 100. Geburtstags von Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll "eine kleine feine Ausstellung" über Böll im Göttinger Grass-Archiv geben. Als Teil der Reihe "science & arts" werden außerdem der Göttinger Literaturprofessor Heinrich Detering und der Germanist Ralf Schnell über Böll und das Thema "Zeitgenossenschaft als Erbe" diskutieren, kündigte Lohr an.

Außerdem stehten weitere Themenreihen auf dem Programm, etwa über das "poetische Potenzial von Songtexten" oder Südosteuropa, ergänzte Husemann. Neben einem Vortrag von Detering über Bob Dylan werde es zum Schwerpunkt „Songpoesie“ unter anderem Konzerte der US-amerikanischen Sängerin Sophia Kennedy und der deutschen Band "Woods of Birnam" geben. Herausragend in der Reihe „Ost Süd Ost“ wird die literarisch und musikalisch gestaltete "Balkannacht" am Dienstag, 17. Oktober, im Jungen Theater Göttingen nach Angaben der Veranstalter sein. Auch das Thema Flucht und Migration werde in diesem Jahr eine besondere Rolle spielen, erklärte Husemann.

Eine Neuerung ist 2017 das Angebot von Audio-Livestreams bei bestimmten Veranstaltungen, durch die Zuhörer das Geschehen von Zuhause aus akustisch mitverfolgen könnten, kündigte Husemann an. Außerdem sollen beim 26. Göttinger Literaturherbst stärker jüngere Leser und Menschen mit geringer Lesekompetenz angesprochen werden. Für diese werde es diesmal erneut Lesungen in einfacher Sprache geben, so Herberhold, damit ihnen die Literatur nicht verschlossen bleibe.  

Was Lebenskünstler und Keinland zu bieten haben

Marc-Uwe Kling ist wohl den meisten Lesern vor allem wegen seiner erfolgreichen „Känguru-Chroniken“ ein Begriff. Am Donnerstag, 12. Oktober, wird der Autor um 19 Uhr in der Stadthalle Göttingen aus seinem neuen Roman „QualityLand“ lesen und damit den Literaturherbst eröffnen. Es handelt sich bei dem neuen Buch um eine humorvolle Satire auf die digitale Welt. Kling beschreibt eine Zukunft, in der die Antwort auf alle Fragen „ok“ lautet, Drohnen an Flugangst leiden und Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung zu kämpfen haben.
Gerade erst hat Regisseur Leander Haußmann den ersten Teil der Pubertier-Saga mit Jan Josef Liefers und Heike Makatsch in den Hauptrollen verfilmt. Am Sonntag, 22. Oktober, wird Autor Jan Weiler aus dem dritten Teil seiner literarischen Erfolgsreihe, „Und ewig schläft das Pubertier“, um 19 Uhr im PS.Speicher in Einbeck vorlesen. In dem Werk geht es um das launische Pubertier Nick, das seine Zeit vor allem mit Beschwerden und Schlafen verbringt. Wenn es aber wach ist, gibt es unterhaltsame Kommentare zu Mädchen, Umwelt und Politik von sich.
Der mexikanisch-französische Opernsänger Rolando Villazón ist einer der erfolgreichsten Tenöre der Welt. Weniger bekannt ist allerdings, dass Villazón auch schriftstellerisch tätig ist. Nach seinem Debütroman „Kunststücke“ aus dem Jahr 2014 wird er am Mittwoch, 18. Oktober, um 19.30 Uhr in der Basilika St. Cyriakus in Duderstadt sein zweites Werk „Lebenskünstler“ vorstellen. Die Geschichte dreht sich um den Spieleerfinder Palindromus und seine merkwürdigen Freunde. Joachim Dicks vom NDR wird das Gespräch mit dem Autor führen. Die deutschen Textstellen liest Götz Lautenbach.
Jana Hensel landete 2002 mit dem Sachbuch „Zonenkinder“, in dem sie über die Kindheit in der DDR schrieb, einen Bestseller. Nun hat sie ihren ersten Roman vorgelegt. In „Keinland“ beschreibt die Autorin aus Berlin eine Liebesbeziehung zwischen Martin und Nadja, die sich zwischen den Städten Tel Aviv und Berlin entfaltet, und auf der die Vergangenheit von Anfang an schwer lastet. Am Montag, 16. Oktober, liest Hensel um 19 Uhr im Alten Rathaus in Göttingen aus ihrem Roman. Das Gespräch mit der Autorin führt Thedel von Wallmoden, Mitbegründer des Wallstein-Verlags und des Literarischen Zentrums Göttingen.
Daniel Kehlmann ist einer der bekanntesten deutschen Autoren der Gegenwart. Mit „Die Vermessung der Welt“ veröffentlichte er 2005 nach Angaben der New York Times das am zweitmeisten verkaufte Buch der Welt in jenem Jahr. Die Verfilmung des Romans um Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt erfolgte 2012. In Kehlmanns neuem Roman geht es um eine der bekanntesten Figuren der deutschen Kulturgeschichte. „Tyll“ handelt von dem berühmten Gaukler Till Eulenspiegel, der gemeinsam mit der Bäckerstochter Nele durch das vom Dreißigjährigen Krieg verheerte Deutschland zieht und allerlei Abenteuer erlebt. Am Freitag, 20. Oktober, wird der Autor um 20 Uhr in der Göttinger Lokhalle aus dem Buch lesen.   
Kloster Bursfelde bei Hann. Münden, einst katholische Benediktinerabtei, seit 1648 evangelisch, bietet am Mittwoch, 18. Oktober, um 19 Uhr die passende Kulisse für ein besonderes Streitgespräch über den Reformator Martin Luther (1483-1546). Der Göttinger Theologe und Reformationsexperte Thomas Kaufmann und der in Rom lebende Schriftsteller Friedrich Christian Delius werden im Kloster über „Luther zwischen Theologie und Literatur“ diskutieren. Dabei wird auch die Frage erörtert werden, die den provokanten Titel von Delius‘ in diesem Jahr erschienener Streitschrift bildet: „Warum Luther die Reformation versemmelt hat“. Bei Bedarf wird ein Shuttle-Service die Besucher zum Kloster bringen und wieder abholen.

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