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Riskante Elfmeter

Literaturherbst Riskante Elfmeter

„Elfmeterschießen ist nicht gesund“, sagte Prof. Nils Brose in seiner Ankündigung des Sportwissenschaftlers Prof. Daniel Memmert beim Literaturherbst. Nicht nur für Spieler sei ein Elfmeter Stress. Bei männlichen Fans steige das Herzinfarktrisiko, habe eine britische Studie herausgefunden.

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Daniel Memmert

Quelle: Katharina Kilburger

Göttingen. Ein so leidenschaftliches Thema wissenschaftlich fundiert zu sezieren, das schaffte Memmert, Geschäftsführender Direktor und Professor am Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule Köln, am Sonntagabend in der Paulinerkirche. Es sind die gesundheitlichen, psychologischen und wahrscheinlichkeitstheoretischen Fakten, die Memmert an diesem Abend mit Elan und ohne wissenschaftliche Trockenheit den rund 100 Gästen präsentierte. „Elfmeter – Die Psychologie des Strafstoßes“ heißt sein Buch. Memmerts Ergebnisse stammen aus mehr als 100 Studien, von denen der Wissenschaftler einige an diesem Abend populärwissenschaftlich aufbereitet zitierte. Einige davon haben er und sein Team selbst durchgeführt.

Fragen rund um die Erfolgswahrscheinlichkeiten

„Was glauben Sie, sollte der gefoulte Spieler den Elfer schießen?“ Memmert stellte seinem Publikum Fragen rund um die Erfolgswahrscheinlichkeiten, ließ es per Handzeichen abstimmen, wog das Für und Wider ab und zog dann die wissenschaftlichen Ergebnisse zu Rate.

75 Prozent aller geschossenen Elfmeter werden laut Memmert verwandelt. Schützen und Torhüter haben abseits von Talent und Technik Chancen, die Umsetzung des Elfers zu steuern.

Verhalten der Fans und Schiedsrichter ausschlaggebend

Auch das Verhalten der Fans und die Schiedsrichter sind mitunter ausschlaggebend: So seien die Unparteiischen unbewusst nicht unparteiisch, wenn es um die Vergabe von Elfmetern geht. Hat eine Mannschaft im laufenden Spiel bereits einen Elfer bekommen, zögerten die Schiris mit der Vergabe eines zweiten Elfmeters, auch wenn er berechtigt sei. Schunkelnde Bewegungen der Zuschauer können den Schützen irritieren, und auch der Torhüter könne durch herumhampeln oder täuschende Gebärden die Schussqualität des Schützen beeinflussen.

Der Sportwissenschaftler erklärte an diesem Abend die Vorgänge in den Köpfen der Schützen und Torhüter durchweg unterhaltsam, stützte seine Ergebnisse mit Videos und Diagrammen, war sich aber auch für eigene pantomimische Darstellungen nicht zu schade.

Je prominenter ein Spieler, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er verschießt

Man lernte viel an diesem Abend: So mache es keinen Unterschied, ob der gefoulte Spieler selbst schießt oder ein anderer. Allerdings: Je prominenter ein Spieler ist, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass er verschießt. Täuschende Bewegungen des Torhüters seien gut, und auch wenn der Torwart sich kaum merklich von der Mitte des Tores abweichend platziert, kann er den Schützen unbewusst in seiner Schussrichtung beeinflussen. Der Schütze wiederum kann durch lautes Jubeln nach dem Verwandeln bei einem Elfmeterschießen den folgenden Schützen der gegnerischen Mannschaft maßgeblich verunsichern.

Memmert liefert mit seinem Buch eine reichhaltige Quelle an Daten und Fakten, mit denen sowohl Spieler, Trainer als auch Stammtisch-Hobbyanalyisten am und auf dem Platz sowie in der Kneipe nach der TV-Übertragung auftrumpfen können.

Daniel Memmert: „Elfmeter – Die Psychologie des Strafstoßes“, Hogrefe-Verlag, 134 Seiten, 19,95 Euro.

Von Katharina Kilburger

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