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Regional "Schöne Katastrophe, nech“
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02:17 25.09.2016
Frank Schulz schreibt nicht einfach nur Geschichten, er sucht Wörter – und findet dann solche wie „Saumseligkeit“, „Bekümmerung“ und „ausgefinkelt“. Quelle: Galiani
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Göttingen

Onno hat mit Panik sonst nicht viel im Sinn. Sie gehört nicht zu seinem Wesen. Er ist von dieser angenehmen Sorte, die dem Bösen gern mit Gelassenheit begegnet. „Tjorp, nech, das ja ’ne schöne Katastrophe“, würde er sagen und sich dann um die wichtigen Dinge kümmern.

So jedenfalls hat ihn uns Schulz in seinen beiden „Onno“-Büchern vorgestellt. Jetzt erscheint das dritte. „Onno ­Viets und der weiße Hirsch“ führt mitten hinein in den Wald und die Jägerei, in die deutsche Provinz und die deutsche Geschichte. Und wieder ist es Onno, der die Dinge ordnen muss.

Onno rumpelt sich mit Würde und wenig Geschick durch sein nicht mehr ganz so junges Leben. Er hat ein bisschen studiert, er hatte in Hamburg eine Kneipe namens Plemplem. Er hat aber vor allem überragende Talente wie Sitzen und Zuhören und eine Frau namens Edda, die den offenen Rest begleicht.

Der Autor geht liebevoll um mit den Worten, er schaut sie sich lange an, bevor er sie an ihren Platz setzt. Aber dann begegnen einem auch die „Saumseligkeit“ oder die „Bekümmerung“, das „Lauffeuer in den Nervenbahnen“. Dann ruft der Kuckuck wie ein „fröhlicher Idiot“ seinen Namen und hämmert der „Buntspecht einen ausgefinkelt synkopierten Trommelrhythmus“, bis alles verstummt im Wald. Er erzählt von Kolki und Satschesatsche, von Bärbel Befeld, die den Helden fast um den Verstand bärbelt. Von Volli und Dutschke Duttheney und den schwebenden Feriennachmittagen auf dem Milchbock gegenüber von Heinis Kneipe damals im Dorf.

Im Weißen Hirsch geht es bald nicht mit rechten Dingen zu. Und einen Toten gibt es auch. Und dazu die immer wiederkehrende Frage: „Ob Nelkenheini wohl kommt?“ Aber dieses Geisterhafte ist ja kein Wunder. Es gibt im Dorf zu viele, die mit ihren Gespenstern zu kämpfen haben, mit dem furchtbaren Echo aus furchtbaren Zeiten, das einen nicht ruhen lässt.

Von Schulz und den Erschütterungen in seiner Familie durch dieses Echo konnte man vor zwei Jahren schon im „Spiegel“ lesen. Jetzt hat er ein Buch daraus gemacht. Es sind anrührende Szenen, die er da beschreibt. Es ist die Vermessung einer fernen Welt, der Welt seines Vaters, in der die Vergangenheit nicht vergehen will. Es sind Szenen eines beschädigten Lebens. Und es ist ein großartiges Buch.

„Onno Viets und der weiße Hirsch“ von Frank Schulz, Galiani Verlag. 368 Seiten, 19,99 Euro. Am Sonntag, 23. Oktober, ist der Autor zu Gast beim Göttinger Literaturherbst. Um 17 Uhr stellt er sein Buch Deutschen Theater, Theaterplatz 11, vor.

Von PETER INTELMANN

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