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Regional Mit dem Herzen aufnehmen
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16:20 17.04.2017
Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Die 300 Liederzettel waren rasch verteilt. Nachschub musste aus dem Gemeindehaus organisiert werden. Ob es nun am späten Beginn, erstmals um 11 Uhr, oder an der Musik lag - die Kirchenbänke waren dicht besetzt. „Nehmen sie die Osterbotschaft, die Botschaft von der Auferstehung Jesu, nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen auf“, ermunterte Pastor Gerhard Schridde die Christen.

Die Auferstehung lasse sich wörtlich oder symbolisch verstehen, erklärte er später in der Predigt. Wichtiger als das leere Grab sei „die - nicht immer verfügbare - Erfahrung, das Christus in uns lebendig ist.“ So habe Jesus die Trennung von Gott aufgehoben.

Nach der Lesung der Ostergeschichte durch Lektorin Hildgund Broda erklang Bachs Kantate, die Bearbeitung eines Lieds, das Reformator Martin Luther 1524 geschrieben hat. Mit „Christ lag in Todesbanden“ hat sich Bach wahrscheinlich 1707 auf die Kantorenstelle in Mühlhausen beworben. Die Melodie des Chorals griff der Komponist in jeder Strophe anders auf. Er lässt den Chor gegen den Takt singen, was der Dramatik des Textes, der Überwindung des Todes, musikalisch Ausdruck verleiht.

Mit einer Sinfonia, einem kurzen Streicherstück, begannen die sechs Geiger und drei Bratschisten, die Cellistin und der Kontrabassist des Collegiums. Dann sangen die Sopranstimmen der mit 50 Sängern angetretenen Kantorei die großen Noten der ersten Strophe, „Christ lag in Todesbanden / Für unsre Sünd gegeben“, der Chor die komplexen Tonfolgen des Satzes. Sünde sei „nicht moralisch gemeint“, erklärte Pastor Schridde in der Predigt. Es drücke die Trennung des Menschen von Gott aus.

Sopran und Alt im Duett waren in „Den Tod niemand zwingen kunnt“ zu hören, begleitet von Cello und Kontrabass, dem Generalbass. Einstimmig erklangen in der konzertanten dritten Strophe die Tenöre. Es folgte vierstimmig „Es war ein wunderlicher Krieg / Da Tod und Leben rungen“ in Gestalt einer strengen Fuge.

Die Bässe, begleitet von den Streichern, trugen „Hier ist das rechte Osterlamm“ vor. Dort heißt es weiter: „Das ist hoch an des Kreuzes Stamm / In heißer Lieb gebraten.“ Dieses Bild ließ Pastor Schridde stutzen. Begleitet vom Generalbass erklangen Sopran und Tenor in der sechsten Strophe. Beim letzten Teil „Wir essen und leben wohl / In rechten Osterfladen“ gab der Chor, der nun vierstimmig sang, noch einmal alles.

Nach dem Gottesdienst applaudierten die Besucher begeistert.

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