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Regional Abschied auf Zeit von der Stadthalle
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00:18 30.10.2018
Letztes GSO-Konzert in der Stadthalle mit Gastdirigent Fabrice Bollon und dem Solisten Matthias Kirschnereit. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Ursprünglich wollte das GSO am 23. November mit einem Tanzprogramm der Halle Lebewohl sagen. Doch ließ sich dieses Vorhaben wohl aus Kostengründen nicht verwirklichen. Drum war der Abend tatsächlich das letzte GSO-Konzert an dieser Stelle, bevor die Bauarbeiten beginnen. Es dirigierte Fabrice Bollon, Generalmusikdirektor des Theaters Freiburg.

Die pompöse Ouvertüre E-Dur von Jean Sibelius eröffnete den Abend. Sibelius trumpft darin gewaltig auf. Die Substanz dagegen ist relativ dünn, so wirkt die Musik eher wie Theaterdonner. Aber es berührt sympathisch, mit welch gesundem Selbstvertrauen sich der junge Mann 1891 als 26-Jähriger in die Öffentlichkeit begeben hat. Bollon ließ die zahlreichen Höhepunkte hell strahlen, die Blechbläser durften nach Herzenslust schmettern, die Streicher ihre Instrumente mit viel Gefühl singen lassen.

Virtuosen Fähigkeiten

In seinem Klavierkonzert a-Moll bietet Edvard Grieg dem Solisten denkbar viele Möglichkeiten, seine virtuosen Fähigkeiten zur Schau zu stellen. Das nutzte der Pianist Matthias Kirschnereit weidlich mit kaskadenartigen schnellen Läufen, blitzenden Akkordgewittern und markant gesetzten Akzenten. Doch im Anschlag war Kirschnereit stets ziemlich hart, manchmal geradezu gewaltsam – lyrische Weichheit scheint er nicht unbedingt zu mögen, wiewohl ihm das vom Orchester unter Bollon mit viel Empfindung vorgeführt wurde. Nur am Rande sei bemerkt, dass der Solist am Anfang des Kopfsatzes für einen kurzen Moment die Orientierung in seinem Part verlor. Doch er fand sich so schnell wieder zurecht, dass es beinahe nicht auffiel.

Für den herzlichen Beifall bedankte sich Kirschnereit mit zwei Zugaben: dem cis-Moll-Nocturne von Chopin und dem „Mouvement“ von Debussy. In seiner Ansage vor dem Chopin-Nocturne kritisierte er freundlich einen etwas schwergängigen Diskant bei „der alten Dame“, nämlich dem Stadthallen-Flügel, wohl in der Absicht, damit nachträglich seinen harten Anschlag im Grieg-Konzert zu erklären. Dass just eine Woche vorher der Pianist Michail Lifits auf eben diesem Instrument dasselbe Nocturne berückend zart zu spielen verstand, lässt Kirschnereits Einwand allerdings nicht ganz nachvollziehbar erscheinen.

Eine sehr eigenwillige Komposition

Die sechste Symphonie von Carl Nielsen, uraufgeführt 1925, war das Finale dieses Abends, eine sehr eigenwillige Komposition. Der dänische Komponist mischt darin die gegensätzlichsten Stimmungen, Klangfarben und Stile, schlägt hier einen freundlich-pastoralen Ton an, lässt dort schneidend grelle Blechbläser-Dissonanzen hineinfahren, setzt groteske Kontrast-Tupfer mit abgrundtiefen Fagott-Tönen und dem spitzen Pfeifen der Piccoloflöte, unterbrochen von kurzen militärischen Trommelwirbeln. Dann wieder entwickelt er tiefernste fugierte Passagen, die sich aber nicht zu einer ausgewachsenen Fuge entwickeln, sondern von markanten Blechbläserfanfaren abgelöst werden.

Die Symphonie ist ein verwirrendes musikalisches Kaleidoskop. Sie bietet ein Wechselbad der Gefühle und ist eine enorme Herausforderung für das Orchester, in dem vor allem die Holzbläser virtuose Höchstleistungen vollbringen müssen. Stellvertretend für viele sei hier der GSO-Solofagottist Ömür Kazil genannt, der – neben vielen weiteren Glanzstücken – das heikle Variationenthema des Schlusssatzes mit einer beeindruckenden musikalischen Souveränität gestaltete. Seinen Einzelapplaus hatte er vollauf verdient. Bollon lenkte das GSO ohne jede eitle Attitüde mit dezenten, präzisen Gesten, hatte dabei die schwierige Dramaturgie stets im Blick. Ein lange beklatschter, spannender Abend, der das Publikum in eine nicht minder spannende Zukunft mit GSO-Konzerten in der Lokhalle und der Universitätsaula entließ.

Nächster GSO-Termin: Familienkonzert „Der falsche Ton“ am Sonntag, 28. Oktober, um 11.30 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11.

Von Michael Schäfer

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