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Regional Kammermusik mit Seo Young Lee und Mana Oguchi in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Kammermusik mit Seo Young Lee und Mana Oguchi in Göttingen
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15:12 30.10.2017
Gleichberechtigtes Duo: Cellistin Seo Young Lee und Pianistin Mana Oguchi Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Tänzerische Elastizität und große Virtuosität kennzeichneten das Eröffnungsstück, Chopins Introduction et Polonaise brillante op. 3. Freilich merkt man dieser Kompositionen sehr deutlich an, dass Chopin vor allem dem Klavierpart die perlenden Läufe und den musikalischen Glanz zugedacht hat, da kann kein Cello mithalten. Doch ließ sich Seo Young Lee davon nicht beeinträchtigen. Sie spielte ihren Part mit angemessenem Selbstbewusstsein und überließ neidlos ihrer Kollegin das effektvolle Passagenwerk. Dafür setzte sie markante Akzente und demonstrierte einen weit schwingenden, sonoren Ton.

Das strukturell komplizierteste Stück folgte vor der Pause: Beethovens späte D-Dur-Sonate mit dem eigentümlich eckigen Kopfsatz und dem polyphonen, sich jeglicher Verbindlichkeit enthaltenden Finale samt dem dazwischen gelagerten Adagio, das sich bei aller Intensität des Ausdrucks doch nirgends melodische Süße gestattet. Die bisweilen geradezu schroffen und spröden Passagen musizierten die beiden Musikerinnen mit durchdachter Konsequenz. Sie machten deutlich, dass diese Musik nicht zum genüsslichen Nebenbeihören bestimmt ist, sondern zu aktiver Auseinandersetzung, dass sie nicht nur von den Spielern, sondern auch von den Hörern bezwungen werden will.

Ähnlich fordernd ist Claude Debussys Cellosonate, eines der letzten Werke, die er vollendet hat. Hier präsentierten sich Lee und Oguchi als ein sehr gleichberechtigtes Duo. Sie traten in lebendigen motivischen Dialog, gaben einander Impulse, gestalteten ausgesprochen klare Konturen und ließen auch den Witz dieser geistreichen Musik überall aufleuchten.

Zum Schluss gestatteten sie sich romantisches Schwärmen in der D-Dur-Sonate von Felix Mendelssohn Bartholdy. Seo Young Lee führte mit ihrem wunderschön singenden Ton vor, wie so etwas klingen muss. Dem Klavierpart hätte allerdings ein wenig mehr Geschmeidigkeit gut getan: Mana Oguchi sollte hier und da ihren kraftvollen Anschlag etwas weicher gestalten, die Strukturen nicht ganz so scharf konturieren. Für Mendelssohns Elfenspuk-Ideen braucht es mehr Leichtigkeit. In den Ecksätzen und im Scherzo zeigten beide Musikerinnen glänzende Virtuosität. Der bemerkenswerteste Satz dieser Sonate ist das Adagio, in dem das Klavier eine Choralmelodie mit einer Begleitung in weit gespannten Arpeggien vorstellt, auf die das Cello mit rezitativischen Selbstgesprächen antwortet. Die gestaltete Lee mit großer Leidenschaftlichkeit und Emphase.

Die zahlreichen Zuhörer – kein einziger Stuhl im Saal war frei geblieben – wollten die beiden Musikerinnen nicht ohne Zugabe entlassen. Lee und Oguchi, überrascht und beglückt von so viel Zustimmung, bedankten sich mit der Wiederholung des Mendelssohn-Adagios.

Von Michael Schäfer

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