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Göttinger Symphonie Orchester begeistert mit Commedia dell’arte

Spritziger Abend Göttinger Symphonie Orchester begeistert mit Commedia dell’arte

Eine der bezauberndsten Stationen der Theatergeschichte ist die italienische Commedia dell’arte des 16. Jahrhunderts mit ihren unverwechselbaren Figuren, die auch später die Musikgeschichte bevölkert haben. Ihnen hat das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) sein Konzert am Freitag in der ausverkauften Stadthalle gewidmet.

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Zwei Mozart-Konzerte und eine Bach-Zugabe: Geiger Frank Peter Zimmermann.

Quelle: Theodora da Silva

Göttingen. Für eine Komödie im allgemeinen Sinne hat Ferruccio Busoni (1866-1924) seine Lustspiel-Ouvertüre komponiert. Ein geistsprühendes, unbeschwert heiteres Stück, bei dem man sich wundert, dass es nicht öfter auf Konzertprogrammen steht.

Verantwortlich für diesen musikalischen Zauber war GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller, der wirkungssicher die reiche Palette der Klangfarben nutzte, dramatische Entwicklungen voller Spannung entwickelte und sehr genau die Akzente setzte. Dabei unterstützte ihn das konzentriert mitgehende, bestens aufgelegte Orchester mit viel Temperament und Klangsinn.

Hauptanziehungspunkt dieses Abends aber dürfte der Solist gewesen sein: der Geiger Frank Peter Zimmermann, dem GSO seit seinem ersten Auftreten als Zwölfjähriger im Jahre 1977 kontinuierlich verbunden, inzwischen als Ehrenmitglied. Zwei Mozart-Konzerte hatte Zimmermann mitgebracht: das G-Dur-Konzert KV 216 – exakt jenes, das er an gleicher Stelle vor 36 Jahren vorstellte – und das D-Dur-Konzert KV 218.

Einfach hinreißend

Zimmermann spielt Mozart ausdrucksintensiv mit weitge­spannten melodischen Bögen, er bevorzugt einen schlanken, vibratoreich singenden Ton, der ein wenig auf Mendelssohn vorausweist, in den langsamen Sätzen von einer unendlichen Süße, die gleichwohl immer auch von Frische durchlüftet ist, in den raschen Ecksätzen mit sehr klar konturierten Phrasen und mit tänzerischer Grazie.

Einfach hinreißend. Für den begeisterten Applaus bedankte er sich mit einer Bach-Zugabe: dem Preludio aus der E-Dur-Partita.

Zwischen den beiden Mozart-Konzerten hatten die Pultführer der GSO-Streicher mit Strawinskys Doppelkanon für Streichquartett eine bemerkenswerte Zäsur gesetzt. Das tiefernste, hochexpressive, extrem kurze Stück hätten viele Hörer gern gleich noch ein zweites Mal erlebt.

Mit Wonne

Und Strawinsky bildete auch das Finale dieses spritzigen Abends: die Pulcinella-Suite nach Pergolesi, in der das Orchester unter Muellers befeuernder Leitung zu besonderer Hochform auflief.

Pulcinella (französisch Polichinelle) ist eine Figur aus der Commedia dell’arte, eine männliche übrigens, Vorbild für den russischen Petruschka. Ihr verleiht Strawinsky in dieser Suite ganz entzückende Züge, lässt seinen Witz in der bisweilen herrlich schrägen Bearbeitung des Originals sprühen und gibt dem Orchester etliche Gelegenheiten, sein Können in virtuosen solistischen Passagen vorzuführen.

Das taten die Musiker des Göttinger Symphonie Orchesters mit Wonne – zum ausgiebigen Vergnügen des Publikums, das diesen ausgesprochen heiteren, mit klug gewählten Kontrasten zusammengestellten Abend mit ausdauerndem Beifall krönte.

Von Michael Schäfer

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