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Regional Göttinger Symphonie-Orchester mit Mariusz Smolij
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12:32 01.12.2018
Das Göttinger Symphonie-Orchester unter Mariusz Smolij mit dem Solisten Albrecht Menzel in der Aula der Universität. Quelle: Schäfer
Göttingen

40 Jahre Partnerschaft zwischen Thorn und Göttingen sind ein guter Grund zum Feiern. Am Freitag gab es zum Abschluss ein Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters unter der Leitung von Mariusz Smolij.

„Romantisch“ hieß das Motto des Konzerts in der gut besuchten Universitätsaula mit Werken von Weber, Schumann und Mozart. Die 40-jährige Städtepartnerschaft war auch Anlass für das Engagement des Gastdirigenten: Mariusz Smolij ist künstlerischer Leiter des Thorner Symphonie-Orchesters. Der Solist des Abends, der 26-jährige Geiger Albrecht Menzel, hat seinen bislang größten Wettbewerbserfolge ebenfalls in Thorn errungen: Beim renommierten Internationalen Violinwettbewerb der Stadt an der Weichsel gewann er 2016 den ersten Preis.

GSO-Musiker folgten Dirigat

Schwungvoll eröffnete Smolij das Konzert mit der Ouvertüre zu der Oper „Euryanthe“ von Carl Maria von Weber, ein schmissiges Stück, das auch knapp 200 Jahre nach seiner Uraufführung immer noch jugendlich-frischen Geist verströmt. Die GSO-Musiker folgten dem engagierten Dirigat mit Elan und sorgten in der raffiniert ausgedünnten Largo-Episode, besetzt mit acht gedämpften Solo-Violinen, zu denen die Bratschen mit einem geisterhaften Tremolo treten, für einen bemerkenswerten klangfarblichen Kontrast.

Zentrales Werk des Abends war Robert Schumanns Violinkonzert d-Moll, entstanden 1853 und lange Zeit als ein Spätwerk mit Zeichen geistigen Niedergangs gebrandmarkt. Der Widmungsträger Joseph Joachim, einer der berühmtesten Geiger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat es nie aufgeführt und das Manuskript auch nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Solist Albrecht Menzel

Uraufgeführt wurde das Konzert erst 1937, blieb aber weiter ein Außenseiter im Repertoire. Seit den 1970er-Jahren wird das Werk mehr und mehr gespielt. Dabei wurde immer deutlicher, dass die überlieferten Vorurteile bei genauerem Hinhören dahinschwinden. Und wenn sich ein derart für das Werk begeisterter Solist wie Albrecht Menzel in den Dienst der Sache stellt, dürfte so mancher Hörer in der Universitätsaula gestaunt haben, weshalb er das Schumann-Konzert bisher so selten gehört hat.

Einwenden könnte man höchstens, dass dieses Konzert für den Solisten nicht „dankbar“ ist: Gemeint ist damit, dass der virtuose Aufwand sehr hoch, der nach außen wirkende Glanz dagegen vergleichsweise gering ist. So gibt es im Finale technisch höchst anspruchsvolle solistische Passagen, die aber eher eine Begleitfunktion haben und vom Tutti-Klang des Orchesters ein wenig verdeckt werden. Doch ergibt das durchaus musikalisch einen Sinn, das ist also nicht etwa ein Fehler des Komponisten.

Chemie stimmte

Mit seinem stets souveränen, melodisch intensiven und enorm spannungsreichen Spiel war Menzel ein idealer Interpret für dieses Werk, das unter seinen Händen an keiner Stelle sperrig wirkte. Grundlage dafür ist das perfekte virtuose Rüstzeug des Solisten und sein ungemein differenzierter Ausdruck. Smolij und Menzel kennen sich bereits aus mehreren gemeinsamen Konzerten: Also stimmte die Chemie, und das GSO war dem Solisten ein zuverlässiger, engagierter Partner. Menzels staunenswerte Zugabe: die immens schwierige Bearbeitung des Schubert-Lieds „Der Erlkönig“ für Violine solo von Heinrich Wilhelm Ernst. Das brachte dem Solisten etliche Bravo-Rufe ein.

Schlusspunkt des Abends war Mozarts populärste Symphonie überhaupt, die g-Moll-Symphonie KV 550. Die nahm Smolij ein wenig robust und – dem Motto des Abends entsprechend – bisweilen mit romantischem Überschwang. An manchen Stellen hätte man gern auch einmal ein Piano oder Pianissimo hören wollen. Dafür aber gab es am Schluss lang anhaltenden Beifall im Fortissimo.

Von Michael Schäfer

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