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Regional Göttinger Symphonie-Orchester gibt Familienkonzert
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00:18 21.04.2013
Mit dem missmutigen Naftule auf musikalischer Weltreise: Übersetzer Pino (Kerstin Klaholz). Quelle: PH
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Göttingen

Beispielsweise warum der Nahostkonflikt so kompliziert ist oder wie man auf dem Backbeat klatscht.

Eisel, der als Klarinettist Naftule das Geschehen virtuos dominierte, führt in seinem einstündigen Werk für Klarinette, Orchester und Erzähler, das in seiner Orchesterversion seine Uraufführung in Göttingen feierte, tatsächlich die unterschiedlichsten Themen und Musiken zusammen: Der wohl nach dem Klezmer-Klarinettisten Naftule Brandwein benannte Protagonist stammt aus dem Land „Sinfonien“, dessen Bewohner sich allein mit Tönen unterhalten. Das hat nicht nur aus musikalischer Sicht Vorzüge: Diese fiktive Heimat bildet für die Geschichte einen neutralen Ausgangspunkt für eine weltoffene Reise, die ohne viel kulturellen Ballast auskommt.

Naftule auf Weltreise

Sinfoniens König Waldemar schickt den missmutigen Naftule auf Weltreise, um zu erfahren, wie man sich anderswo in der Welt verständigt. Dieser macht sich, begleitet vom Übersetzer Pino (Kerstin Klaholz) auf einem fliegenden Teppich bald auf den Weg, muss aber schnell erfahren, dass andere Länder auch andere Gepflogenheiten haben. Ob Ukraine, Amerika, Argentinien oder Israel – überall tritt das tollpatschige Duo schnell in Fettnäpfchen, was der Völkerverständigung letztlich aber keinen Abbruch tut.

Konzerttreiben war kindgerecht

Kein Wunder, so wie Eisel als Naftule sein Instrument beherrscht. Tonal am Klezmer orientiert, spielte er ungehemmt, ausdrucksstark und mit großer Freude an der Improvisation. Auch das GSO unter der Leitung von Martin Hoff tönte mitreißend im kreativ erweiterten Klangraum der harmonischen Molltonleiter, berührte aber auch mit seiner sanft-schmelzenden Einbettung der Melodien Eisels in federweiche Streicherkissen.

Das Ergebnis war eine kostbare Mischung aus großer Kunst und kleiner Hemmschwelle: Das Konzerttreiben war kindgerecht aufbereitet, die Musik aber von großer Virtuosität – bessere Werbung für sinfonische Musik kann man unter jungen Hörern nicht machen.

Von Jonas Rohde

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