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Regional Göttinger Symphonie-Orchester gibt traditionelles Silvesterkonzert
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19:29 01.01.2014
Mit zurückhaltender Körpersprache: Christian Simonis, ehemaliger Chefdirigent der Göttinger Symphoniker. Quelle: Pförtner
Göttingen

Simonis ist zugleich der Begründer der Tradition – am 31. Dezember 1997 hat er erstmals ein Silvesterkonzert mit dem GSO gegeben.

Apropos Tradition: Sicherlich war es ein Zufall, aber ein besonders hübscher, dass das Programm des Silvesterkonzerts 2013 in drei markanten Punkten dem Neujahrskonzert am 3. Januar 1997 unter Simonis glich.

Auch knapp 17 Jahre später war Offenbachs Ouvertüre zur „Schönen Helena“ das Eröffnungsstück, der Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“ das Finale. Und auch damals gab es Kreislers „Liebesleid“ und „Liebesfreud“ als Instrumentalstück mit Solovioline.

Einfach hinreißend

Für diesen Part war die junge Violinistin Christina Brabetz engagiert, die zurzeit in Berlin bei Antje Weithaas studiert. 1993 in Windhoek/Namibia geboren, begann sie ihr Violinstudium bereits als 14-Jährige am Hochbegabtenstudio der Musikhochschule in Detmold. Ihr strahlend blühender, obertonreicher Ton, im Forte von eindrucksvoller Klangfülle, ist auch im Pianissimo betörend präsent.

Was sicherlich auch dem wunderbaren Instrument geschuldet ist, einer 1779 gebauten Violine von Giambattista Guadagnini, eine Leihgabe aus Hamburger Familienbesitz. In der Havanaise von Saint-Saëns zeigte die Solistin mitreißendes Temperament, in der Meditation aus „Thaïs“ von Massenet anrührende Tiefe des Ausdrucks ohne billige Sentimentalität, in den Kreislerschen Liebes-Stücken Schmelz und Süße.

Einfach hinreißend. Simonis erwies sich als idealer Partner der Geigerin, er ließ der Solovioline angemessen viel Raum, ohne das Orchester auf die Rolle des bloßen Stichwortgebers zu reduzieren.

Mit großer Konzentration und Präzision

Und auch in den übrigen Stücken des Abends – der kecken und zugleich wunderbar weich schwingenden Offenbach-Ouvertüre, den Polkas, Walzern von Johann und Josef Strauß sowie Jean Sibelius und der von Josef Strauß zauberhaft zart orchestrierten „Träumerei“ von Schumann – war stets der sehr kultivierte Umgang des Dirigenten mit der Musik wahrzunehmen.

Seine Körpersprache ist zurückhaltend. Dennoch vermag er sehr wohl auch temperamentvoll musikalische Explosionen zu zünden. Und vor allem: Er hat einen – schon mit der Wiener Muttermilch aufgesogenen – Sinn für die vielen charmanten kleinen Verzögerungen und Beschleunigungen des Grundtempos, die nicht alle in der Partitur stehen, aber der Musik geradezu Flügel verleihen.

Die GSO-Musiker folgten ihm mit großer Konzentration und Präzision, sorgten für weit gespannte melodische Bögen, satten Sound, punktgenaue Akzente und solistische Glanzlichter. Die Begeisterung im ausverkauften Saal war entsprechend lautstark.

Von Michael Schäfer

Das Programm ist in Göttingen noch einmal unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller im GSO-Neujahrskonzert am Donnerstag, 9. Januar, um 19.45 Uhr in der Stadthalle zu hören.

Restkarten unter anderem in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Jüdenstraße 13c, und in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.

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