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Regional Göttinger Symphonie-Orchester mit Bernd Kaftan in der Stadthalle
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Symphonie-Orchester mit Bernd Kaftan in der Stadthalle
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18:01 22.11.2013
Die Eröffnung: Göttinger Symphonie-Orchester unter Jürgen Bruns spielt Beethovens „Egmont“-Ouvertüre. Quelle: Heller
Göttingen

Er gab dem Abend unter dem Titel „Goethe!“ den literarischen Bezugspunkt, indem er ausgewählte Szenen aus Goethes „Faust“ rezitierte. Diese Szenen verbanden die diversen von diesem Schauspiel angeregten Kompositionen von Schumann, Liszt, Wagner und Berlioz zu einer bezwingenden Einheit.

Sozusagen seine musikalische Visitenkarte hatte Gastdirigent Jürgen Bruns, Gründer und Leiter der Kammersymphonie Berlin, mit der eröffnenden Ouvertüre Beethovens zu Goethes „Egmont“ abgegeben. Das war ein schöner Einstand: Bruns animierte das GSO zu dramatisch-feurigem Spiel, setzte zielsichere Akzente, arrangierte mit feinem Ohr das Spiel der wechselnden Klangfarben.

Das kam anschließend auch der versonnenen, manchmal beinahe selbstquälerisch grübelnden Ouvertüre zu „Szenen aus Goethes Faust“ von Robert Schumann zugute. Gegen sie war Liszts Mephistowalzer („Der Tanz in der Dorfschänke“) ein denkbar großer Kontrast – schwungvoll, aber auch mit jähen Einblicken in ungeahnte Abgründe, sozusagen ein Tanz auf dem Vulkan, den der Dirigent mit viel Eleganz absolvierte und dabei dem GSO ziemlich virtuose Leistungen abforderte.

Hochvirtuos

Das unbekannteste Stück des Abends stand gleich nach der Pause auf dem Programm, Richard Wagners frühe „Faust-Ouvertüre“. Hier hört man bereits Anklänge an den „Fliegenden Holländer“, das Hauptthema mit den kühnen Oktavsprüngen könnte auch Gustav Mahler eingefallen sein.

Bruns machte daraus ein fesselndes Stück Musiktheater ohne Szene, bei dem sich die Bilder rasch in der Fantasie des Hörers einstellen. Nicht minder spannend und ebenso bilderreich ist die musikalische Sprache von Hector Berlioz in „La damnation de Faust“ einschließlich einiger wunderbarer Klang-Verrücktheiten, etwa wenn die Holzbläser ein geradezu höllisches Gelächter anstimmen.

Hochvirtuos spielten die GSO-Musiker ihren Part, hochkonzentriert, mitreißend. So war am Ende die Zustimmung des Publikums einhellig – auch für Kaftan, der die Faust-Szenen mit angenehm alltagsnaher Lockerheit und immer wieder mit augenzwinkerndem Witz rezitiert hatte. Ein bemerkenswerter Abend, bei dem Literatur und Musik eine faszinierende Allianz eingingen.

Von Michael Schäfer

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