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Göttinger Symphonie-Orchester präsentiert „Böhmische Impressionen“

Geschmackvoll und gediegen Göttinger Symphonie-Orchester präsentiert „Böhmische Impressionen“

Dušek, Krumpholtz, Reicha: Diese Namen fehlen in gängigen Konzertprogrammen. Alle drei Komponisten wurden im 18. Jahrhundert in Böhmen geboren und standen den berühmtesten Kollegen ihrer Zeit nahe – Franz Xaver Dušek war ein Freund Mozarts, Johann Baptist Krumpholtz ein Schüler Haydns und Anton Reicha ein Kommilitone und Freund Beethovens.

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Mit viel Freude dabei: die Göttinger Symphoniker unter Leitung von Gastdirigentin Emily Freeman Brown.

Quelle: JV

Göttingen. Ihnen war der zweite Abend der Reihe „Böhmische Impressionen“ des Göttinger Symphonie-Orchesters am Donnerstag in der gut besuchten Aula der Universität gewidmet. Die Wissenslücken der Zuhörer füllte Moderatorin Dorothea Schröder mit ihren kundigen, zugleich unterhaltsamen Werkeinführungen. Sie stellte die aufgeführten Stücke in historischen Zusammenhang, berichtete über die Biographien der Komponisten und nahm auch eine qualitative Einordnung vor.

Dabei passte das Etikett „liebenswürdig“ haargenau zu den ersten beiden vorgestellten Werken: Sowohl die C-Dur-Symphonie Dušeks als auch das Harfenkonzert B-Dur von Krumpholtz sind gefällige Stücke, kultiviert und handwerklich untadelig, nirgends aufregend, aber geschmackvoll und gediegen.

Deutliche Akzentuierungen

Gastdirigentin Emily Freeman Brown legte viel Wert auf lebendige Dynamik, auf deutliche Akzentuierungen. Wobei sie hier und da des Guten ein wenig zu viel tat – eine Prise beschwingte Leichtigkeit hätte die Wirkung dieser unbeschwerten Musik noch steigern können. Solistin im Harfenkonzert von Krumpholtz war Marlene Angerer: eine souveräne Harfenistin, die den ätherischen Reiz des Werkes mit Virtuosität und vielen klangfarblichen Differenzierungen auskostete.

Die Überraschung dieses an Raritäten reichen Abends aber war das Schlussstück, die Symphonie Es-Dur op. 41 von Anton Reicha. Die war kompositorisch ein ganz anderes Kaliber, reich an unerwarteten Einfällen, an musikantischer Spiellaune und auch an Stimmungswerten weitab von liebenswürdiger Unterhaltung. Keine Frage: Diese Symphonie klingt nicht nur ähnlich wie guter Haydn, sie hat auch dieselben Qualitäten. Den inspiriert musizierenden Instrumentalisten merkte man die Freude an diesem Werk deutlich an. Dementsprechend begeistert tönte der Schlussapplaus.

Von Michael Schäfer

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