Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Göttinger Symphonie Orchester in der Uni-Aula
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Symphonie Orchester in der Uni-Aula
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:37 23.04.2018
Göttinger Symphonie Orchester: die Geigerin Christina Brabetz. Quelle: Michael Schäfer
Anzeige
Göttingen

Ihre Karriere hat die 1993 in Windhoek/Namibia geborene, in Kapstadt aufgewachsene Geigerin inzwischen konsequent weiter verfolgt. Zunächst studierte sie bei Antje Weithaas an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin und ist dort seit 2017 Studentin bei Kolja Lessing. 2015 erreichte sie die zweite Vorrunde im Internationalen Joseph-Joachim-Wettbewerb in Hannover. War sie bei ihrem Göttinger Debüt noch mit kleineren Aufgaben betraut, präsentierte sie am Donnerstag ein ausgewachsenes Virtuosenstück: das sechste Violinkonzert von Pierre Rode (1774-1830).

Virtuose Brillanz

Der französische Komponist, ein Zeitgenosse Beethovens, war zu seinen Lebzeiten hochberühmt. Seine Schreibart verrät das geigerische Können eines Musikers, der stilistisch an der Schwelle der Romantik steht. Zwischen vielen spannenden, leidenschaftlichen Passagen tritt allerdings auch konventionelles Figurenwerk zutage. Doch der Elan, mit dem Brabetz dieses Konzert anging, fegte derlei Eindrücke hinweg. Nach einem hier und da noch ein wenig befangenen Beginn hatte sie sich frei gespielt und konnte nun den vollen, schönen Klang ihres Instruments breit strömen lassen, mit dem sie in den tiefen Lagen auf der G-Saite besonders frappante Wirkungen hervorbrachte. Lyrischer Schmelz und virtuose Brillanz waren in ihrer Interpretation aufs Schönste vereint.

Gastdirigent Jürgen Bruns, Gründer und Chefdirigent der Kammersymphonie Berlin, war zusammen mit den engagiert musizierenden Instrumentalisten des GSO ein aufmerksamer Partner der Solistin. Nur an wenigen Stellen geriet das Zusammenspiel nicht ganz punktgenau. Eingeleitet hatte Bruns den von dem Musikwissenschaftler Andreas Waczkat kundig moderierten Abend mit Schuberts Ouvertüre „Im italienischen Stil“ D-Dur, sehr frisch und temperamentvoll musiziert, wobei er höchstens in der Balance zwischen Streichern und Bläsern – letztere dominierten stellenweise etwas zu sehr – regulierend hätte eingreifen sollen.

Markante Gedanken

Das Schlussstück des Abends war eine D-Dur-Symphonie des heute nahezu vergessenen Wiener Hoftheater-Kapellmeisters Adalbert Gyrowetz. Wie hoch ihn seine Zeitgenossen einschätzten, zeigt der Umstand, dass Joseph Haydn in zwei Londoner Konzerten 1791 Symphonien von Gyrowetz dirigierte. Mit einem Klavierkonzert von Gyrowetz debütierte der achtjährige Frédéric Chopin 1818 bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Warschau. Die Symphonie belegte eindrucksvoll, wie genau Gyrowetz Haydns Musik studiert hat – allerdings nicht etwa im Sinn einer Kopie, sondern durchaus mit markanten eigenen Gedanken, ja auch mit ungewöhnlichen Formexperimenten. Bruns widmete sich mit großem Einsatz diesem geist- und temperamentvollen Werk, das stellenweise die Orchestermusiker gehörig herausfordert, und überspielte auch geschickt einige Längen im Finale, sodass sich diese Symphonie von Archivstaub befreit präsentieren konnte. Der Applaus war entsprechend herzlich.

Die nächsten Termine

Nächste GSO-Termine: „Fantasie“, Werke von Schubert, Hindemith, Schumann und Haydn mit der Solistin Tianwa Yang (Violine) unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller am Freitag, 4. Mai, um 19.45 Uhr in der Stadthalle; Familienkonzert mit Musik von Britten, Händel und Brahms unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller am Sonntag, 6. Mai, um 11.30 Uhr im Deutschen Theater; Promenadenkonzert mit Werken von Rossini, Donizetti, Lehár und Bernstein mit Simone Kermes (Sopran) unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller am Freitag, 25. Mai, um 19.45 Uhr in der Stadthalle. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen sowie online unter gso-online.de.

Von Michael Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Derzeit arbeitet Maite Kelly an ihrem neuen Album, das im Herbst erscheinen soll. Danach geht es auf Tour – dabei macht die Schlagersängerin auch Halt in Hannover. Karten für das Konzert im März gibt es schon jetzt auf gt-tickets.de.

20.04.2018
Regional Emotionaler Tourabschluss - Sobi und Band im Göttinger Apex

In London aufgewachsen hat Sobi mit 16 Jahren ihre ersten Songs geschrieben und sammelte bei kleinen Konzerten erste Auftrittserfahrungen. Seit 2015 lebt die Sängerin, Komponistin und Gitarristin in Hannover und feierte nun mit Band ein sehr emotionales Tourabschluss Konzert im Apex.

22.04.2018

Im Mittelpunkt des 13. Göttinger Stummfilmfestivals steht der Film „Safety Last“ von und mit Harold Lloyd. Das Festival dauert von Donnerstag bis Sonntag, 19. bis 22. April. „Safety Last“ wird am Sonntag, 22. April, um 19.45 Uhr im Deutschen Theater aufgeführt.

20.04.2018
Anzeige