Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Göttinger Symphonie-Orchester und Cecile van de Sant begeistern
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Symphonie-Orchester und Cecile van de Sant begeistern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 23.06.2015
Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Mit den Sieben frühen Liedern von Alban Berg eröffnete Mueller das außergewöhnliche Konzert. Als Solistin hatte er die Mezzosopranistin Cécile van de Sant engagiert, dem Göttinger Publikum schon seit ihrem hiesigen Debüt beim Händel-Fest 1999 bekannt. Mit ihrer großen, geschmeidigen, klug geführten Stimme lotete sie den Ausdrucksgehalt dieser farbig-expressiven Fin-de-Siècle-Musik bis in die feinsten Nuancen aus. Die vielfältig differenzierten Klangfarben arbeitete Mueller mit dem Orchester präzise aus und war dabei stets ein aufmerksamer Partner der Sängerin.

Der zweite Gesangsbeitrag der Solistin war Alban Bergs Konzertarie „Der Wein“, auf die Mueller das Publikum mit klug ausgewählten Live-Hörproben vorbereitete. Hier konnte sich Cécile van de Sant wunderbar sängerisch entfalten und überzeugend vorführen, dass sich Zwölftontechnik und Sanglich­keit in keiner Weise ausschließen. Zumindest dann nicht, wenn Berg der Komponist ist. Die Intensität des Ausdrucks, mit der die Solistin und das Orchester sich hier präsentierten, zog die Zuhörer geradezu magisch in den Bann.

Zwischen die beiden vokalen Programmpunkte hatte Mueller eine Bach-Bearbeitung von Anton Webern gestellt, die orchestrierte Fassung des sechsstimmigen Ricercars aus dem „Musikalischen Opfer“. Die enge Verwandtschaft zwischen dieser fein ausgehörten Klangfarbenmusik und dem gerade gehörten Bergschen Orchesterklang war verblüffend. Darüber hinaus macht Webern mit seiner Bearbeitung motivische Beziehungen in Bachs Musik hörbar, die im barocken Original zwar vorhanden, aber nicht leicht erkennbar sind. Dass Weberns Bach-Bild zudem noch durchaus romantische Züge besitzt, zeigt sich in der Dynamik und in den flexiblen Tempovorschriften, die Mueller mit seinen hochkonzentrierten Instrumentalisten präzise befolgte.

Krönender Abschluss dieses spannenden Abends war Schönbergs Orchesterfassung des Klavierquartetts g-Moll op. 25 von Johannes Brahms: ein Kammermusikwerk, das sich mit den an Brahms orientierten Orchesterfarben tatsächlich in eine ausgewachsenen Symphonie verwandelt. Der ungewöhnlich schwierigen Partitur nahmen sich die GSO-Musiker mit Enthusiasmus an und zündeten im ungarisch gefärbten Finale ein wahres Feuerwerk an Temperament und Virtuosität. Ein ganz großer Abend.

Von Michael Schäfer

Am Sonntag, 5. Juli, beendet das GSO die Saison mit Serenaden von Karłowicz und Mozart. Beginn ist um 19.45 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sabine Harton hat es geschafft. Für ihre Ausstellung hat die Künstlerin aus Gleichen die entscheidende Anzahl an Papierkranichen gefaltet. Tausend Stück dieser Origamitiere sind zu basteln, um nach japanischem Volksglauben einen Wunsch von den Göttern erfüllt zu bekommen.

23.06.2015

Das Trio Thomas Ebermann, Robert Stadlober und Andreas Spechtl erinnert mit der großen Bühnenshow „Der Eindimensionale Mensch wird 50“ an den Philosophen, Politologen und Soziologen Herbert Marcuse (1898-1979). Präsentiert haben sie das jetzt im Großen Saal der Musa.

22.06.2015

„Ich lese Lyrik. Das spart Zeit“, sagte einst Marilyn Monroe. Denn hinter oft wenigen Zeilen verbirgt sich eine komplette Geschichte, die vom Leser entdeckt werden will. Unter das Motto „Gedichte von der Leine“ hat die Dichtergruppe „Lyrik 37“ ihren literarischen Salon am Donnerstag im Apex gestellt.

22.06.2015
Anzeige