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Regional Göttinger Tänzerinnen proben mit Profis für „Sacre du printemps“
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Tänzerinnen proben mit Profis für „Sacre du printemps“
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00:18 05.08.2013
Choreographie in der Gruppe: Tänzerinnen aus Göttingen mit Profis aus anderen Städten Deutschlands. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Genau hundert Jahre ist die Uraufführung des Balletts „Le sacre du printemps“ des in Russland geborenen Komponisten Igor Strawinski her. Bei der Aufführung in Göttingen im September, an der sowohl das Symphonieorchester und die Göttinger Ballettschule art la danse, als auch mehrere Schulklassen beteiligt sind, soll trotzdem nicht auf klassische Weise getanzt werden.

„Im Vergleich zum Schwanensee vom letzten Mal ein krasser Gegensatz“, beschreibt die Tanzschülerin Lina Elbel das Stück. Der Fokus sei anders gesetzt, fügt die Schülerin, die schon seit etwa elf Jahren tanzt, an. Es käme nicht mehr, wie beim klassischen Ballett, auf Präzision der Bewegungen an.

Viel stärker sei es Kara um Emotionen gegangen. „Jeder hat eine andere Idee gehabt“, erzählt Elbel, und beschreibt, dass die Choreografie gemeinsam mit den Tänzern entwickelt wurde. Alina Lipki, ebenfalls Tanzschülerin, ergänzt, dass es unzählige Arten gäbe Sacre zu tanzen.

„Wir haben sozusagen unsere eigene gemacht“, erklärt die Schülerin.

Empfindung des einzelnen ausschlaggebend

Bei den Proben treffen die Schülerinnen auch auf die acht Profitänzer, die als Solisten auftreten. Wie gut diese Emotionen im Tanz verdeutlichen können, beeindruckt die Tanzschülerinnen stark. „Die haben voll den krassen Ausdruck“, bemerkt Lipki.

Ausdruck und Stimmung sind nicht nur Tanzanweisung, sondern ganze Rollenbilder der Solisten. Jeder steht für eine andere Emotion. Die Kraft wird von Marie Theres Zechiel gespielt. Die Rollen wurden zwar zugeteilt, „Aber darin waren wir ziemlich frei“, beschreibt Zechiel die Arbeit mit Kara.

Demnach sei die Empfindung des einzelnen Tänzers für „seine“ Emotion ausschlaggebend gewesen. „Judith hatte ein anderes Verständnis von Kraft als ich“, berichtet Zechiel.

Letztlich ließ Kara aber die Tänzerin entscheiden, wie die Gemütsstimmung zum Ausdruck gebracht werden soll. Zechiel tanzt die Kraft grazil. Ihr Tanz wirkt zielgenau und durchdacht, sie interpretiert die Kraft als leise Stärke, die taktisch und akkurat eingesetzt wird.

Eine klare Gegenfigur zur sehr exakten Zechiel bildet die Solistin Ayako Toyama. Toyama tanzt die Emotion der Angst in einer bemerkenswerten Harmonie aus Anmut und Schroffheit. Ihre Interpretation der Angst wählt die Flucht nach vorne.

Grazilität und Pulkbewegung

Solistin Ufuoma Essi war schon häufiger bei Auftritten in Göttingen beteiligt. Von den Planungen zu Sacre zeigt sie sich begeistert: „Dass das so was großes wird, ist natürlich der Hammer.“ Vor ihrer dreijährigen Tanzausbildung in Berlin war sie Schülerin bei Kara, ihrer „zweiten Mutti“, wie sie betont.

„Sie hat mich zum Tanzen gebracht, dazu, dass ich das professionell machen will“, berichtet Essi. Nach ihrem Abschluss im Oktober wird sie nach New York an die Alvin Ailey School gehen.

Kara setzt die Solisten und die Schülerinnen räumlich abgetrennt voneinander ein. Durch Massenszenen und individuellem Tanz, Grazilität und Pulkbewegung entstehen interessante Gegensätze. Nicht immer liegt der Fokus dabei auf den Profis.

Einmal passiert für zwei Minuten sogar gar nichts, weil auf der Bühne umgebaut wird. Die Musik spielt trotzdem. „Da ist das Orchester mal im Mittelpunkt, was ich auch wichtig finde“, sagt Kara.

Von Daniela Lottmann

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