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Regional Zehn Jahre „Stille Hunde“
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14:41 13.09.2018
„Stille Hunde“: Christoph Huber (links) und Stefan Dehler. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Mit dem Kinderstück „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ habe alles angefangen, sagt Dehler. Ein Repertoirestück für Kindergarten- und Grundschulkinder hätten sie machen wollen in dem Haus am Wall. Der damalige Intendant Mark Zurmühle habe daraufhin verfügt: „Dann macht das doch.“

Der Maulwurf lief am DT, und Huber und Dehler nahmen ihn mit in ihr eigenes Theater. Rund 130 Mal haben sie die Produktion nach dem Bilderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch inzwischen gespielt – häufiger nur „Die Besserung“, ein Klassenzimmerstück nach Berichten überlebender Häftlinge des Jugendkonzentrationslagers Moringen. Macht das noch Spaß, wenn die beiden so oft mit der gleichen Inszenierung auf die Bühne gehen? „Ja“, ruft Huber laut und schaut dabei beinahe entrüstet. „Ich spiele gerne Stücke oft.“ Zudem spielen sie „Die Besserung“ in Klassenzimmern. „Wir wissen nicht, wie die Schüler reagieren.“

Kooperationen mit mit Künstlerkollegen

Am Anfang präsentierten die „Stillen Hunde“ vor allem Kinder- und Jugendtheater. Es habe sich allerdings schnell gezeigt, meint Dehler: „Wenn wir uns so stark spezialisieren, wird es wirtschaftlich schwierig. Das Wirtschaftskonzept mussten wir stabiler machen.“ Inzwischen sind die Theaterstücke, die die „Stillen Hunde“ längst auch für Erwachsene konzipieren, nur eines der Standbeine. Beide arbeiten auch in der Lehreraus- und -fortbildung und betreuen soziokulturelle und theaterpädagogische Projekte. Immer wieder kooperieren sie auch mit Künstlerkollegen wie Maja Müller-Bula, Leon Hast und Elisabeth Möst.

Wenn notwendig, schreibt Dehler die Stücke. So haben sie einige Bilderbücher für die Bühne adaptiert. Große Erfolge feierten sie beispielsweise mit „Die kleine Raupe Nimmersatt“ nach dem Bilderbuch von Eric Carle und dem „Grüffelo“ nach Julia Donaldson und Axel Scheffler. Der „Grüffelo“ stand auch auf dem Programm des Deutschen Theaters. Als die Produktion abgespielt war, hätten sie ein Jahr lang warten müssen auf die Rechte, die bei einem englischen Verlag lagen, sagt Dehler.

Reihe im Schloss

Auch für die Reihe der Produktionen, die die „Stillen Hunde“ im Schloss Rittmarshausen spielen –derzeit beispielsweise „Don Juan“ – schreibt Dehler die Stückfassungen. „Maßschneiderei“ nennt er diese Arbeit, denn er muss sich an Vorgaben halten: das Schloss, drei Figuren und andere Charaktere für die Schauspieler als bei der vorangegangenen Schloss-Produktion.

Als ein Markenzeichen ihrer Arbeit sehen Huber und Dehler die Reduktion auf das Wesentliche. „Was macht den Kern aus? Was ist unbedingt notwendig, um die Geschichte zu erzählen?“, sagt Dehler. Dabei entstehe eine besondere Klarheit. Einher damit gehen aber auch ganz praktische Überlegungen, wenn es ums Bühnenbild geht. Selbst bei den eher sparsam ausgestatteten Produktionen müssen Huber und Dehler viel vor- und nachbereiten. Zweidrittel ihrer Arbeit entfalle auf den technischen Teil ihrer Arbeit.

Sympathische Sehnsuchtstiere

Eine Beschränkung ist auch deswegen angesagt, weil die „Stillen Hunde“ immer wieder mit einzelnen Produktionen oder Projekten im Ausland waren, oft auf Initiative des Goethe-Instituts. Sie tourten in Finnland, der Türkei, in Rumänien, Kroatien, Österreich und der Schweiz.

Schwierig sei vor allem die Namensfindung gewesen, sagen Huber und Dehler. Zu einem bestimmten Stichtag hätten sie ein Konto eröffnen müssen, „wir brauchten einen Namen“. Nach vielem Grübeln sei „Stille Hunde“ herausgekommen, ein eher eigenwilliger Name. Doch Huber erklärt: Huber und Dehler kommen in „Hunde“ vor. Und Dehler ergänzt, Hunde seien sympathisch und Sehnsuchtstiere. „Dann könne die auch still sein.“

Die „Stillen Hunde“ feiern ihren zehnjährigen Geburtstag am Freitag, 14. September, mit einem „satirischen Festakt“. Neben den Rückblicken auf künstlerische und sonstige Höhepunkte der ersten zehn Jahre lasse sich das Ensemble mithilfe ausgewählter Fremdstimmen auf grundsätzliche Betrachtungen zu Brot und Spielen ein, teilen Huber und Dehler mit. Der Abend beginnt um 20.15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zählkarten gibt es im Apex, Burgstraße 46, und im Drachenladen, Kurze Geismarstraße 34.

Von Peter Krüger-Lenz

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