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Göttinger Trio „Ganz Schön Feist“ gibt letztes Konzert

Startet als Duo durch Göttinger Trio „Ganz Schön Feist“ gibt letztes Konzert

Ich weiß nicht mehr wann, aber ich weiß noch, wo es war“, sagt Mathias Zeh. ’84 oder ’85 soll es gewesen sein, das erste Konzert der Göttinger Band „Ganz Schön Feist“, damals noch ein Duo. „Beim Kunstmarkt auf Holzpaletten, dreimal dieselben drei Stücke“, sagt Zeh. Mehr Lieder gab es damals noch nicht, aber schon den Stil: Acappellacomedy.

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Kurz vor Schluss: Christoph Jess, Mathias Zeh und Rainer Schacht (von links) sind „Ganz Schön Feist“.

Quelle: Vetter

So jedenfalls nannten Kritiker diesen einzigartigen Mix aus federleichten Melodien und deutschen Texten voller Überraschungen und Witz. Fast drei Jahrzehnte, eine Kassette, eine Schallplatte, zwölf Alben, zehn Singles und EPs, diverse Beteiligungen an Samplern, mehr als 1500 Konzerte und sechs Preise später steht jetzt der letzte abendfüllende Auftritt des Trios an, dessen Mitglieder inzwischen stramm auf die 50 zugehen oder sie bereits überschritten haben.

Am Sonntag verabschieden sich Zeh, Rainer Schacht, seit 1989 dabei, und Christoph Jess, der 2004 einstieg, nach rund 70 Abschiedskonzerten endgültig, diesmal vor heimischem Publikum in der Göttinger Stadthalle. Schlicht und sicherlich auch ergreifend „Tschüss“ heißt der Abend am Sonntag, 13. Januar, der natürlich schon seit geraumer Zeit komplett ausverkauft ist.

Die Feisten" machen weiter

Die gute Nachricht: Zumindest für zwei von ihnen wird es weitergehen. Im Herbst wollen Zeh und Schacht als „Die Feisten“ wieder durchstarten. Jess, mit einem Diplom als Biologe ausgestattet, strebt zum 1. August den Beruf des Lehrers an. Und die künstlerische Leitung der Großveranstaltung „Pop meets Classic“ wird er weiterhin übernehmen.

Sammlerstück: Die einzige Kassette

Sammlerstück: Die einzige Kassette

Quelle:

Sie wollen raus aus der Tretmühle von CD-Produktion und Touren, alle zwei Jahre mit neuem Programm, am besten eigentlich jedes Jahr. „Wir sind keine 20 mehr“, erklärt Zeh und fügt an: „Der Spaß hat immer im Vordergrund gestanden.“ Schon früh füllten sie Clubs wie das „Kairo“ in Göttingen, damals eine Kulturadresse mit Gewicht.

Der Spaß wurde größer, die Bedeutung der Band auch. Aber „wie das so unsere Art ist: sehr langsam“, sagt Schacht. Das Marketing habe jahrelang brach gelegen. Dass einmal 110 „Ganz Schön Feist“-Kassetten nach einem Auftritt beim Altstadtfest verkauft wurden, hatte alle überrascht.

„Gänseblümchen“ im Kreißsaal

Heute kommen zu ihren Auftritten in Berlin, Hamburg und anderen Großstädten mehr als 1000 Besucher. Fans erzählen, dass der „Ganz Schön Feist“-Klassiker „Gänseblümchen“ bei der Geburt des eigenen Kindes im Kreißsaal gelaufen sei. Jugendliche Hipster in Berlin nennen das Trio ihre „Entdeckung des Jahres“.

Und in ihrer Heimatstadt Göttingen haben sie jetzt zweimal im November und am Sonntag die Stadthalle ausverkauft. „Mehr geht nicht für eine Mäusekapelle, wie wir es sind“, sagt Schacht.

Besonders beeindruckende Konzerte waren in den Jahren natürlich auch dabei. Alle drei erinnern sich gut an einen Auftritt in einer Blindenschule in völliger Dunkelheit. Oder an die Verleihung des bedeutenden Preises „Salzburger Stier“ im norditalienischen Meran, die Jess so kommentiert: „Unfassbar anders.“

Oder die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Musiker Martin und  dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks für eine Wagner-Produktion. Oder die Konzerte im Schlachthof in Bremen mit laut Schacht „lautem, betrunkenem und ungehobeltem Publikum“, das ihnen viel Spaß bereitet habe. Für das Göttinger Tageblatt komponierten und texteten sie 2009 ein eigenes Lied.

Jess übrigens zeigt sich als wandelndes Archiv. 531 offizielle Auftritte habe er nach dem Debüt am 14. Juli 2004 im Club Kaleidoskop in Bockelskamp mit Zeh und Schacht absolviert. Der Start blieb ihm besonders gut im Gedächtnis. In dem ehemaligen Kuhstall ging Jess’ Schlüsselbund verloren, und die interne Batterie des Keyboards war nach zwölf Jahren anstandlosen Dienstes plötzlich leer.

Jess musste auf das Klavier vor Ort zurückgreifen, das geklungen habe „wie ein verstimmtes Westernklavier, total schräg“.

Bandwettbewerb im Blue Note

Zum ersten Mal hatte Jess die Kollegen 1987 bei einem Bandwettbewerb erlebt, der im Blue Note am Wilhelmsplatz ausgetragen wurde. Der Preis: ein Auftritt bei einem Festival im Jahnstadion vor dem Hauptact Marius Müller-Westernhagen. Er sei mit seiner Band „Quarter Eight“ angetreten, erinnert sich Jess.

Sie seien weggefegt worden von einem Trio namens „Ganz Schön Feist“, damals noch mit Beo Brockhausen, der 2004 ausstieg. „Ein genialer Musiker“, sagt Schacht über den Ex-Kollegen. Den Gewinn übrigens tauschten sie damals ein gegen Studioaufnahmen. Sie wollten nicht im Stadion auftreten.

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