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Regional The Groovy Cellar aus Berlin spielen im Nörgelbuff
Nachrichten Kultur Regional The Groovy Cellar aus Berlin spielen im Nörgelbuff
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09:40 10.01.2018
Groovy Cellar Quelle: r
Göttingen

Parka, Desert Boots, Harrington Jacken, Anzüge, Roller – die fünf von Groovy Cellar spielen mit den Insignien der Mods, jener britischen Jugendkultur, die seit den frühen 60er-Jahren Mode und Pop-Musik nachhaltig geprägt hat und zuletzt von Bands wie Oasis oder Blur an die Jetztzeit angepasst worden ist. Stilsicherheit setzt sich bei The Groovy Cellar auch im Artwork von Plattencovern oder Plakaten fort.

Aber Groovy Cellar als Teil einer Jugendkultur? Immerhin bezeichnen sich die Bandmitglieder „als fünf gereifte Individuen, die insgesamt seit 150 Jahren in Bands spielen“ und nennen das aktuelle Album „Affordable Art For All“ ihr „erstes Alterswerk“. Es gilt eben immer noch das alte Mod-Credo: „Einmal Mod, immer Mod.“

Beatles, The Jam, 79er-Mod-Revival, Noise-Pop waren Einflüsse, die The Artpress geprägt haben. „Wenn ich konkret überlege, welche Gruppen sowohl The Artpress als auch The Groovy Cellar beeinflusst haben, dann wären das The Television Personalities und The Times“, sagt Bassist Mathias Hanich.

The Artpress: Matthias Hanich, Gunnar Berndorff, Harald Fischer und Ronald Kruschak. Quelle: r

Und wie klingen nun The Groovy Cellar? Nach Beach Boys. Nach Teenage Fanclub. Nach Jingle-Jangle-Folk. Nach Northern Soul. Und: „Klassisches, gutes Songwriting mit tollen Melodien“, mache The Groovy Cellar aus, sagt Schagzeuger Berndorff. „Nach Artpress war ich daher sehr froh, bei The Groovy Cellar gelandet zu sein, weil es die gleichen Einflüsse sind. Ich kannte die vorherige Band unseres Sängers Olaf, ‚The Most Wanted Men’, schon länger und fand sie großartig, von daher hat alles super gepasst“, ergänzt Hanich. Benannt hat sich die 1991 gegründete Band nach einem Londoner 60s-Club in den frühen 80er-Jahren. Die Gruppe veröffentlichte außer dem Album – ein zweites ist in Arbeit – eine Reihe von Singles und EPs für Twang!, Marsh-Marigold und Firstation Records. Sie teilte sich die Bühne mit Cleaners From Venus, Ian Brown (Stone Roses), Television Personalities, Liga der Gewöhnlichen Gentlemen oder Fehlfarben.

„Fünf gereifte Individuen“: The Groovy Cellar. Quelle: r

Sinngemäß hatten Artpress zu Beginn in einem Interview mal gesagt, dass es eigentlich nur die Berliner Mods sie so richtig gut fänden. Das trifft heute mit The Groovy Cellar nicht mehr zu: „Es gibt in Berlin, Hamburg und anderen Städten wirklich noch eine verschworene 60s Szene, die uns sehr treu ist. Aber ab davon kommt auch Indiepublikum und verstärkt ganz normale Leute die lange nicht mehr zu Bands gegangen sind“, schildert Berndorff, und Hanich ergänzt: „Meine Beobachtung ist, dass viele aus der Mod- und Britpop-Ecke uns mögen. Wir haben da sicher ein Stammpublikum, aber es kommen auch immer wieder neue Leute hinzu, besonders nach der letzten LP.“

Candy Dates: die Göttinger Lads Gunnar Berndorff, Lothar Berndorff, Tobias Friedrich und Joachim Staron. Quelle: r

Als das „Mekka des Indie Pops“ beschreiben Groovy Cellar das Göttingen späten 80er-Jahre. „Wir hatten damals das Gefühl, dass sich alles in der Stadt um Indie-Musik dreht“, sagt Berndorff. Das Panic!-Fanzine brachte London direkt in die Stadt, es gab Motto-Nächte im Ballhaus Zollstock und Indiepop-Kneipen wie das Garp, wo sich die ganze Szene traf. „Und dann natürlich ganz viele Bands, die ständig gespielt haben, in Clubs, WGs oder gemeinsam auf selbst organisierten Festivals. Und wir mittendrin – wir haben uns gefühlt wie King of Shit Mountain. Am Wochenende lief man von einem Club zu nächsten und überall auch auf der Straße traf man Leute aus der Szene. Wenn ich heute Samstagabend durch die Stadt gehe, habe ich den Eindruck, dass damals zehnmal so viele Menschen unterwegs waren“, erinnert sich Berndorff.

Fanzine aus dem „Mekka des Indie-Pops“: PANIC! #1 aus dem Juli 1989 mit Björk auf dem Cover und den Candy Dates im Heft. Quelle: r

Eine Aufbruchstimmung habe in der Stadt geherrscht, meint Hanich. „Unsere Musik war zu der Zeit up-to-date und ich habe den Eindruck, dass wir in Göttingen in gewisser Weise schon Vorreiter waren.“ Heute seien sie musikalisch eher in einer Nische – auch wenn das Songwriting und die Beherrschung der Instrumente heute deutlich besser geworden sei. „Man kann sagen, wir sind erwachsen geworden“, sagt Hanich.

Fanzine aus dem „Mekka des Indie-Pops“: PANIC! #2 aus dem November 1989 mit den Stone Roses auf dem Cover und The Artpress im Heft. Quelle: r

Er sei heute froh, mit der Musik kein Geld verdienen müssen, sagt Rechstanwalt Berndorff. Das sei „ganz schön mühselig“ und „immer schwerer, je älter man wird“. „Eigentlich machen wir Musik nur zum Spaß, aber trotzdem immer noch genauso ernsthaft wie schon immer.“ Finanzielle Unabhängigkeit habe den Vorteil, dass man machen kann, was man möchte, sagt Hanich, der Lehrer ist. „Aber unsere musikalischen Ambitionen sind auf keinen Fall kleiner geworden.“

Das Konzert im Göttinger Nörgelbuff, Groner Straße 23, beginnt am Sonnabend, 13. Januar, um 21 Uhr. Einlass ist ab 20 Uhr.

Stop! Look! Listen!

The Artpress – Mystery Girl

The Groovy Cellar – Emily Jones

The Groovy Cellar – Wasn’t it you

The Groovy Cellar – I stand accused

Von Michael Brakemeier

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