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Gunter Gabriel mit seiner Show „Hello – I’m Johnny Cash“ in der Göttinger Stadthalle

Eine Autobiographie – Zwei Typen Gunter Gabriel mit seiner Show „Hello – I’m Johnny Cash“ in der Göttinger Stadthalle

Sie sind sich ähnlich. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, leidenschaftliche Musiker, eine Karriere wie aus dem Bilderbuch, dann der Absturz, schließlich der Weg zurück in ein annähernd geregeltes Leben. Die US-amerikanische Country-Ikone Johnny Cash und der deutsche Komponist und Countrysänger Gunter Gabriel.

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Nach der gelungenen Show: Gunter Gabriel (hinten) mit seinen Musikern. Das Fotografieren während des Konzerts war von seiner Agentur untersagt worden.

Quelle: fri

Göttingen. Zwei Männer, die durch extreme Höhen, ausgeprägte Tiefen und durch ihre Musik auffielen. Nun tourt Gabriel mit seinem Programm „Hello – I’m Johnny Cash“ durch Deutschland und schlüpft dabei in die Rolle seines Idols. Am Mittwoch gastierte der Sänger in der Göttinger Stadthalle und bot eine Mischung aus Musical, Konzert und autobiographischen Erzählungen.

„Es lebe Johnny Cash!“ ist die letzte gesprochene Aussage von Gabriel an diesem Abend. Die vorherige Show zeichnet das Leben und die Karriere des Countrysängers nach. Gabriel berichtet als Cash von der Zeit bei der US-Army in den 50er-Jahren. Dann der erste Plattenvertrag, Auftritte und Konzerte in verschiedenen Gefängnissen.

Schließlich kommt Gabriel auch darauf zu sprechen, wie Amphetamine ein Wrack aus Cash machten.Natürlich geht er auch auf die große Liebe zu Sängerin June Carter Cash (Vasiliki Roussi) ein.

Die Musik von Cash steht dabei im Mittelpunkt. Die fünfköpfige Band spielt die Countrysongs souverän. Roussi verkörpert June Carter Cash charismatisch und singt präzise. Die tiefe Stimme Gabriels passt eindrucksvoll gut in die Arrangements. Schade nur, dass die Abmischung des Sounds nicht immer gelingt. Stellenweise kann nur erahnt werden, was Inhalt des gesprochenen und gesungenen Wortes ist. Der Klang von Gabriels Westerngitarre ist in der ersten Hälfte der Show nicht überzeugend. Das Instrument klingt verwaschen.

Gitarre hat andere Aufgabe

Die Gitarre besitzt aber auch eine andere Aufgabe. Gabriel nutz sie für die Imitation von Cash und ahmt Gesten des gestorbenen Künstlers nach. Er will mit seinem Gitarrenspiel den Arrangements gar nicht das I-Tüpfelchen aufsetzen. Braucht er auch nicht, da das schon die Band übernimmt. Natürlich hat Gabriel keine schauspielerische Ausbildung. Das scheint auch hier und da durch. Seine Partnerin Roussi fängt dies aber gekonnt auf.

Gabriel ist hierzulande wohl die beste und eindrucksvollste Verkörperung von Cash. Beide Typen ähneln sich. So ist auch schwer zu sagen, wessen autobiographische Details Gabriel gerade an das Tageslicht fördert. „Ich war mal ganz unten“, könnte auch aus Gabriels Biographie stammen. Apropos unten: Gabriel bringt das Publikum mit seiner Art oft zum Lachen.

Als er sich auf einen niedrigen Stuhl setzt und später wieder aufstehen will, meint der 70-Jährige: „Hoffentlich komm ich hier auch wieder hoch.“ Gabriel überzeugt als Typ. Ungezwungen tänzelt er sogar ab und an über die Bühne. Zum Schluss nimmt er seine Cash-Perücke ab und sagt: Hallo, ich bin Gunter Gabriel.“ Er erzählt – scheinbar etwas wehmütig – von seiner Freundschaft zu seinem Idol und beendet die Show mit den am besten umgesetzten Songs des ganzen Abends: „Personal Jesus“ und „There ain’t no Grave“.

Von Friedrich Schmidt

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