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Gunther Hampel mit der „Music and Dance Improvisation Company“ in der Waldorfschule

Kollektive Klangsuche Gunther Hampel mit der „Music and Dance Improvisation Company“ in der Waldorfschule

Für die Fantasie gibt es keine Grenzen: Wer den Göttinger Jazz-Weltstar Gunter Hampel erlebt, merkt schnell, dass er als Zuschauer ständig überrascht wird. Der 76-Jährige sprüht ununterbrochen vor neuen musikalischen Ideen. Jeder Auftritt folgt eigenen Gesetzen aus dem Augenblick heraus.

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Jazz mit Körper: Gunter Hampel, Danilo Cardoso, Johannes Schleiermacher und Cavana Lee Hampel (v. l.).

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. So auch jetzt in der Waldorfschule. Hier zelebrierte er mit seiner „Music and Dance Improvisation Company“ eine Performance, wie man sie in Göttingen von ihm so noch nie erlebt hatte.

Endlich eine große Bühne, endlich viel Platz! Im Großen Saal der Schule bewegen sich die vier Musiker im Raum, umtanzt und in ständigem Kontakt mit den drei Tänzern. Es ist ein Miteinander, ein produktives und notwendiges Durcheinander, um wieder zu einem neuen, anderen Miteinander zu werden.

Die Musiker befinden sich im Zentrum des Saals: Hampel an Flöte, Bassklarinette, Piano und Vibraphon, Johannes Schleiermacher an Tenorsaxophon und Flöte, Sängerin Cavana Lee Hampel und der Drummer Bernd Oezsevim. Klangvolle Melodien wechseln mit freiem Spiel, Soli mit kollektiver Klangsuche. Mit deutlicher Freude im Gesicht spielen die Musiker miteinander, reizen sich, gehen eigene Wege und kommen immer wieder zu neuen gemeinsamen Ideen und Melodien zusammen.

Modern Dance und Pantomime

Verwoben sind ihre Klänge mit den Bewegungen der drei Tänzer. Deren Körper nehmen die Musik auf, schaffen spontane Choreografien. So wechselt der hyperaktive Danilo Cardoso zwischen Modern Dance und Pantomime. Kreativ und mit viel Witz reizt er die Musiker, provoziert, kommuniziert mit ihnen und inspiriert sie. Maja Magdalena bewegt grazil Beine und Armen, dreht sich, verdreht sich und landet wieder im Fluß der Musik. Breakdancer Prince Alegs dreht am Boden Pirouetten oder schlägt Purzelbäume.

Hampel bringt so den Körper wieder in den Jazz. Denn seit der Swing-Ära ist dieses Musikgenre nahezu zum reinen Intellektuellen-Spiel verkommen. Der Göttinger Musiker zeigt wie Ernst und Spaß, Geist und Körper, Musik und Tanz zusammen passen – ja zusammen gehören. Wohl auch deshalb fand die raumgreifende Performance an der Waldorfschule statt, in der der Künstler in der vergangenen Woche einen fünftägigen Improvisations-Workshop mit 32 Schülern im Alter von elf bis 16 Jahren durchführte.

Einer der ergreifendsten Momente dieses Abends: ein poetisches Flöten-Duo von Hampel und Schleiermacher, verbunden mit einem verträumten Tanz-Duett. Als Zuschauer kam man angesichts der vielen spontanen Ideen der Künstler aus dem Staunen nicht heraus.

Von Udo Hinz

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